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Moose Park, Ekshärad, Schweden – Elchbegegnung hautnah

Elchbulle Alfi

Meine Güte, ist das schon wieder lange her!
Vergangenes Jahr Ende Juni in unserem Urlaub in Schweden haben wir auch einen Elchpark besucht. Denn was wäre ein Aufenthalt in Schweden, ohne mindestens einen Elch gesehen zu haben?
Wir hatten bereits das Glück, schon in den ersten Tagen einen Elch in freier Natur zu sehen – von weitem, versteht sich.
Das war am späten Nachmittag auf unserer Rückfahrt von einem Ausflug nach Arvika.


Elch in freier Wildbahn

Dann haben wir in einem Prospekt einen kurzen Bericht über den Moose Park in Ekshärad gelesen und sind dann auch an einem Samstag, dem siebten Tag unseres Urlaubs in Schweden dorthin gefahren. Wir waren etwas zu früh da, und sind deshalb noch in den Ort gefahren, um eine Kleinigkeit zu essen. In einem Supermarkt haben wir uns dann mit Brötchen und Elchbraten-Aufschnitt versorgt.
Und wir haben uns auch noch kurz die in Falunrot angestrichene Kirche von Ekshärad angesehen.



Die Kirche von Ekshärad stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist eine der am besten erhaltenen Kirchen im Värmland mit Objekten und Einrichtungen aus dem 13. Jahrhundert. Das älteste Inventarstück ist ein Taufstein aus norwegischem Speckstein (13. Jhd).
Die Vorgänger dieser Kirche fielen Überschwemmungen zum Opfer. Die mächtigen Hochwasser des dort fließenden Klarälven richten auch heute immer wieder große Schäden an.
Der ansonsten ruhig dahinfließende, breiten Fluss bietet sich für gemütliche Paddel- und Floßfahrten an.



Auf dem Friedhof von Ekshärad schmückt viele Gräber statt eines Steins ein schmiedeeisernes Kreuz.
An den Kreuzen hängen viele kleine Eisenplättchen, die sich im Wind leicht bewegen als wären es Birkenblätter, wie an den Bäumen ringsum.
Viele der filigran gearbeiteten Kreuze sind über hundert Jahre alt. Die Eisenkreuze symbolisieren den Baum des Lebens mit Blättern, die im Wind spielen.
Es ist ein einzigartiges kulturelles Erbe in Form von 450 geschmiedeten Grabkreuzen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die den Friedhof am Fluss Klarälven schmücken.
Einer der Männer hinter den Kreuzen war der Schmied und Uhrmacher Johan Tinglöf (1715-1812), über den man sagte, er hätte übernatürliche Fähigkeiten, die ihm die Macht über Mensch und Tier gaben.

Die Kreuze hier auf dem Friedhof haben wir uns nur kurz angesehen und keine Fotos gemacht – die Zeit wurde langsam knapp und wir wollten doch endlich die Elche sehen!
Das Foto von diesem Kreuz ist auf dem Friedhof in Gräsmark entstanden.



Wir sind dann also wieder zurück zum Elchpark gefahren.



www.moose-world.com


Wir werden von James, dem Moose-Guide begrüßt. Er ist halb Schwede, halb Brite und lebt mit seiner Familie hier in Schweden.
Die Tour beginnt um 15 Uhr und bevor wir zum Elchgehege gehen, erzählt uns James einiges Wissenswertes über die Tiere, die in den Wäldern des Värmlands leben und natürlich auch über den Elch oder besser gesagt den „König des Waldes” und was man alles beachten muss, wenn man sich auf die Suche nach Elchen macht.
In den Wäldern des Värmlands leben wilde Tiere wie Elche, Rehe, Luchse, Wölfe und Bären. In den Seen und Flüssen leben Biber und mit etwas Glück kann man das eine oder andere Tier in der Natur beobachten. Sogar Adler soll es hier und da geben.

Die besten Chancen, einem Elch in freier Wildbahn zu begegnen, hat man im Sommer in den frühen Morgenstunden (ca. von 6 bis 8 Uhr) und abends (ca. 20 bis 23 Uhr).
Man sollte nach Wiesen an Waldrändern mit hohem Gras Ausschau halten. Dort finden die Elche ihre Nahrung.
Im Herbst sind Wiesen mit Apfelbäumen ein guter Platz, denn Elche lieben Äpfel. Besonders wenn diese schon leicht vergoren sind, essen die Elche so viele davon, dass sie davon einen ordentlichen Schwips bekommen.

Am besten fährt man mit dem Auto zu den potenziellen Elchwiesen. Läuft einem dann ein Elch über den Weg, sollte man auf alle Fälle am oder im Auto bleiben.
Elche sind sehr kraftvoll und können auch schnell einmal aggresiv werden, wenn man ihnen zu nahe kommt – insbesondere die Elchkühe, die Nachwuchs haben.
Eigentlich seien deshalb die Elchkühe die wahren Königinnen des Waldes, sagt James.

Elche haben eine Kopf-Rumpf-Länge bis 3 Meter, eine maximale Schulterhöhe von 2,30 Meter und können bis zu 800 Kilogramm wiegen.

Und dann geht es weiter zu den Elchen Klara, Alfi und Lotta, die gerade ein junges Kalb hat, welches wir aber nirgend sehen können. Meist versteckt es sich in einer Senke, die Mutter immer in der Nähe.

Mit einem Eimer voller Leckerli – Äpfel und Möhren – und Birkenzweigen, allesamt ausgesprochene Leibspeisen der Elche, führt uns James zum Waldstück, wo sich die Elche üblicherweise aufhalten. „Wenn ihr einen den Elche seht, sagt ihr mir bitte Bescheid, dann klettere ich über den Zaun und versuche, sie näher zu uns zu locken”.

Es dauert eine ganze Weile, bis wir zwischen den Bäumen das graubraun-glänzende Fell von der jungen Elchkuh Klara entdecken. Zögerlich kommt sie heraus.
Etwas später gesellt sich Alfi, der junge Elchbulle mit Geweih dazu.


Elchkuh Klara

 

Elchbulle Alfi

Wir dürfen die Elche durch den Zaun mit Birkenblättern, Karotten und Äpfeln füttern.



Dann gehen wir ein Stück weiter und besuchen Lotta.


Elchkuh Lotta

 


Auch hier muss James erst überzeugend mit dem Futtereimer locken, bevor sich Lotta näher herantraut. Sie ist nur so ruhig, weil sie James kennt und weiß, dass von ihm für ihr junges Kalb keine Gefahr ausgeht.



Dann gehen wir zurück zum Eingang des Parks und machen eine kurze Kaffeepause.
Danach zeigt uns unser Moose Guide Elchgeweihe aus verschieden Altersstufen und erklärt, wie die Geweihe wachsen.
Im Herbst/Winter (Janura bis Februar) verlieren die männlichen Elche ihr Geweih, erst eine Schaufel, dann wandert der einseitig bestückte Elch mit schiefer Kopfhaltung herum, bis die zweite Schaufel auch abfällt. Im Frühjahr/Sommer (ab April) wächst der Geweihknochen dann wieder neu. Je älter der Elch wird, umso größer ist sein Geweih.
Ein Elch kann bis zu 11 oder 12 Jahre alt werden, die meisten werden aber im Durchschnitt nur 5 Jahre alt.



Das Geweih mit einer Spannweite von bis zu 1,35 Meter und einem Gewicht von bis zu 20 Kilogramm dient dazu, den weiblichen Artgenossen zu gefallen und in der Paarungszeit die Nebenbuhler in die Flucht zu schlagen. Dabei geht es in etwa zu, wie beim Armdrücken, nur eben mit den Geweihen.
Elchbullen verhaken ihre Geweihe ineinander, dann wird geschoben. Dabei kann es auch passieren, dass sich die Geweihe nach dem Drängelwettkampf nicht wieder voneinander lösen, beide Elche zu Boden gehen und qualvoll verenden.

Die Paarungszeit ist nur kurz. Die angebetete Elchkuh ist in der Paarungszeit alle 28 Tage für nur 30 Stunden empfängnisbereit.
Um diesen Moment nicht zu verpassen, folgen die Bullen ihrer Elchkuh wochenlang auf Schritt und Tritt und schwenken dabei ihr Geweih hin und her, um zu zeigen, wie kräftig und intakt es ist. Dabei muss er sehr vorsichtig sein, denn wenn er sein Geweih irgendwo anschlägt, zum Beispiel an einem Baumstamm, könnte er für die Elchkuh mit seinem ramponierten Geweih nicht mehr attraktiv genug sein.



(…) Es ist in Größe und Gestalt sehr veränderlich und kann aus verzweigten Stangen oder aus breiten, flächigen Schaufeln sowie einer Mischung dieser zwei Typen bestehen. In der Regel weist es eine horizontal zum Schädel stehende Stange und eine breite, abgeflachte Schaufel auf, deren Fläche seitwärts und etwas nach hinten gerichtet ist. An der Schaufel sitzen Fortsätze, die nach vorn außen und nach hinten gerichtet sind.

Junge Elchhirsche entwickeln in ihrem zweiten Lebensjahr erstmals einen kurzen, ungegabelten Spieß. Im folgenden Jahr weisen sie eine Gabel mit zwei Enden auf, dann folgt in der Regel ein kleines Geweih mit jeweils drei Enden je Geweihseite. Die weitere Entwicklung unterliegt keiner Gesetzmäßigkeit, so dass eine Altersbestimmung der Elche anhand der Zahl der Geweihenden nicht möglich ist. Meist bilden sich jedoch in den folgenden Jahren zunehmend größer werdende Schaufeln aus. Männchen im Alter zwischen fünf und zehn Jahren, dem Zeitraum, in denen sie physisch voll entwickelt sind, haben gewöhnlich die größten Geweihe; bei älteren Elchen geht die Geweihentwicklung wieder zurück.
Quelle: Wikipedia


Elchbulle Emile – 7 Jahre alt

Dann geht es weiter zum Gehege des siebenjährigen Elchs Emile – ein sanftmütiger Elch-Opi.



In kleinen Gruppen dürfen wir zu Emile ins Gehege, nachdem James ihn angelockt und uns vorher noch genaue Instruktionen gegeben hat – immer nur von vorne nähern, so dass man für den Elch sichtbar ist, und immer nur am Kopf oder Geweih anfassen. Alles andere ist höchst gefährlich.
Das Geweih ist weich und samtartig – ein tolles Gefühl, dem König des Waldes so nahe zu kommen….



Ein einzigartiges Erlebnis!



Als Erinneung haben wir ein Elchpäärchen aus Plüsch erstanden und dann sind wir wieder zurück in Richtung unseres Feriendominzils gefahren.
Fortsetzung folgt.


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25. März – Våffeldagen, Schweden: Skrädmjölsvafflor med äppelmos


Heute, am 25. März feiern die Schweden ihren Våffeldagen – den Tag der Waffel.
Ich habe deshalb wieder mal schwedische Waffeln mit geröstetem Hafermehl (Skrädmjöl) aus dem Värmland gebacken, dazu gab es – ganz unspektakuläre – Apfelmus!

Hier ist das Originalrezept aus Schweden für die Waffeln mit geröstetem Hafermehl:


Skrädmjölsvafflor/Waffeln


Zutaten
• 250 ml Wasser
• 175 ml Weizenmehl
• 175 ml geröstetes Hafermehl (Skrädmjöl)
• 1 Ei
• 1 Teelöffel Backpulver
• ½ Teelöffel Salz
• 100 – 150 ml zerlassene Butter

Zubereitung
Aus den Zutaten einen flüssigen Waffelteig rühren. Im Waffeleisen knusprig backen und mit Puderzucker bestreuen. Mit Apfelmus servieren.


Apfelmus


Zutaten
(für 4 Portionen)
• 3 Äpfel
• 4 Esslöffel Zucker
• 4-6 Esslöffel Apfelsaft oder Wasser
• 1 Prise Zimt

Zubereitung
Für das Apfelmus die Äpfel schälen, dann  vierteln und entkernen oder einen Apfelteiler verwenden, dann in kleine Würfel schneiden. Die Apfelwürfel mit dem Zucker und dem Apfelsaft in einen Topf geben, mischen und bei mittlerer Temperatur weich garen. Wenn fast alle Flüssigkeit verdampft ist, die Apfelmasse kräftig mit einem Schneebesen durchrühren und mit Zimt abschmecken.


 Original recipe from Sweden for the waffles with toasted oatmeal:

Skrädmjölsvafflor/Waffles
250 ml milk
250 ml water
175 ml wheat flour
175 ml roasted oatmeal (Skrädmjöl)
1 egg
1 teaspoon baking powder
1/2 teaspoon salt
100 – 150 ml melted butter

Instructions
Stir the above ingredients into a liquid waffle batter. Bake in a waffle iron until crispy and sprinkle with icing sugar. Serve with applesauce.


For the applesauce


3 apples
4 tablespoons sugar
4-6 tablespoons apple juice or water
1 pinch of cinnamon

Instructions
Peel the apples, then quarter and core or use an apple slicer, then cut into small cubes. Put the apple cubes together with the sugar and the apple juice in a pot, mix and cook gently at medium temperature. When almost all the liquid has evaporated, stir the apple mixture vigorously with a whisk and season with cinnamon.

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Mårbacka – Das Zuhause von Selma Lagerlöf

Mårbacka

An unserem fünften Tag in Schweden haben wir einen Ausflug nach Mårbacka, das 9 km südöstlich von Sunne liegt, gemacht.
Das Geburtshaus der Schriftstellerin Selma Lagerlöf, die 1909 für ihr großes Werk  den Nobelpreis für Literatur erhielt,  ist eines der meistbesuchten Ziele in Värmland.


….aus meinem Urlaubstagebuch

Selma Lagerlöf, eine der berühmtesten Schriftstellerinnen der Welt, wurde am 20. November 1858 auf Mårbacka geboren und ist dort aufgewachsen.
Schon als Kind entschied sich Selma Lagerlöf, Autorin zu werden.

Mehrere Jahre lang schrieb sie als Lehrerin in Landskrona Bücher, aber erst mit mehr als dreißig Jahren veröffentlichte sie 1891 ihr erstes Buch, den Roman „Gösta Berlings Saga“, der als Meisterwerk gefeiert wurde. Einige ihrer berühmtesten Werke sind: Die Geschichte von Gösta Berling, Nils Holgersson und Jerusalem.
Selma Lagerlöf erhielt 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. 1914 wurde sie als erste Frau zum Mitglied der Schwedischen Akademie gewählt. Und das alles geschah noch bevor man in Schweden weibliches Stimmrecht hatte.
Ihr nächster Erfolg war „Jerusalem“ (1902), das ihren Namen international bekannt machte. Im Auftrag des schwedischen Lehrerverbandes schrieb sie 1906-1907 das erste moderne Geographie-Lehrbuch seiner Art, „Nils Holgerssons underbara resa genom Sverige“ (Die wunderbaren Abenteuer von Nils).

Mit dem Tantiemen ihrer Bücher konnte sie 1907 den Hof zurückkaufen, der nach dem Tod ihre Vaters veräußert wurde. 1921 -1923  ließ sie einen Neubau errichten und lebte bis zu ihrem Tod auf dem Hof, der heute noch im ursprünglichen Zustand ist.
Selma Lagerlöfs Name ist nicht nur mit einer brillanten Karriere als Schriftstellerin und der Mitgliedschaft in der Schwedischen Akademie sowie der Literaturakademie De Nio (Die Neun) verbunden, sondern auch mit einem starken Engagement für Frauenrechte, Frieden und lokale Politik. So war sie auch Mitglied des Bezirksausschusses, des Stadtrats und des Ausschusses für öffentliche Hilfe.
Sie war nicht nur Autorin, sondern auch Geschäftsfrau, die auf Mårbacka Landwirtschaft betrieb.
In ihrem Haus, dem Herrenhaus von Mårbacka, hatte sie die Möglichkeit, ihr Gespür für neues Denken als Unternehmerin zu mobilisieren, um das Gut erfolgreich zu leiten.
Bei ihren Angestellten war sie sehr beliebt und Selma Lagerlöf hatte für diese sogar eine Krankenkasse eingerichtet.

Selma Lagerlöf starb 1940 im Alter von 82 Jahren. Begraben liegt sie auf dem Friedhof von Östra-Ämtervik, 10 km südwestlich von Mårbacka .
In ihrem Testament hatte sie verordnet, dass Mårbacka als Erinnerungsstätte erhalten werden und für Besucher geöffnet sein soll.

Touristen sind herzlich eingeladen, verschiedene in der Geschichte von Gösta Berling erwähnte Orte wie den Rottneros Park (Ekeby), Sundsbergs Gard (Björne) Tossebergsklätten (Svartsjö) zu besuchen.



Bereits vor 11 Jahren, als wir das erste Mal nach Schweden gereist sind, haben wir Mårbacka besucht und uns das Wohnhaus bei einer Führung von innen angesehen.
Darauf haben wir diesmal verzichtet, es ist aber sehr sehenswert und auch unterhaltsam.
Im Haus darf man keine Fotos machen, ich hatte mir damals aber schon Postkarten mitgebracht, auf der die Inneneinrichtung zu sehen ist.


Die Schreibmaschine von Selma Lagerlöf, auf der viele ihrer Werke entstanden sind


Besonders die schöne Küche hat es mir angetan…



Natürlich sind wir auch diesmal wieder im Café eingekehrt, von wo ich damals das Rezept für den Mårbackakaka – ein Kuchen mit geröstetem Hafermehl – mitgebracht hatte.


Marbacka-Kuchen
Mårbackakaka – 2007

Und wir haben uns im Buchladen wieder ein Souvenir zum Lesen besorgt – bei unserem ersten Besuch war das „Nils Holgerssons wunderbare Reise mit den Wildgänsen” – diesmal reiste „Gösta Berlings Saga” mit uns zurück nach Deutschland.


Nils Holgersson


Vor unserem diesjährigen Ausflug nach Mårbacka hatte ich auch noch das Buch „Mårbacka“ gelesen, welches im Bücherregal unseres Feriendomizils seinen festen Platz hat.
In ihren späteren Jahren schrieb Selma Lagerlöf eine dreiteilige Autobiografie: Mårbacka, Aus meinen Kindertagen sowie Tagebuch der Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, ihr letztes vollendetes Werk.
Die Autobiografie ist keine Schilderung des eigenen Lebens im herkömmlichen Sinne, sondern besteht aus Erzählungen aus ihrer Kindheit, die einem bestimmten Zweck dienen: die Hintergründe ihres schriftstellerischen Wirkens darzustellen.
Bei der Besichtigung von Mårbacka trifft man überall auf alte Bekannte und Orte aus Selma Lagerlöfs Büchern….



In einem Gehege neben dem Buchladen trifft man auf zwei Pfauen – Farao und Sara – „Paradiesvögel”.



Selma Lagerlöf hatte ein angeborenes Hüftleiden. Als sie dreieinhalb Jahre alt war, erwachte sie eines morgens und konnte nicht mehr gehen.
Die Ärzte waren ratlos und so beschloss ihr Vater eines Tages, die ganze Familie solle zur Kur nach Strömstad fahren. Dort ruderte man, um Selma eine Freude zu machen, zu dem vor der Küste liegenden Frachtschiff „Jakob“. In dessen Kapitänskajüte befand sich nämlich ein ausgestopfter Paradiesvogel.
Selma wurde von den Matrosen als erste an Bord gehoben. Und ehe die Familie ihr folgen konnte, war Selma verschwunden. Sie war dem Schiffsjungen in die Kajüte zum Paradiesvogel gefolgt – auf eigenen Beinen.
Die Eltern meinten, die Kur habe die Heilung bewirkt. Selma aber erinnerte sich, wie sie mit dem Schiffsjungen den Paradiesvogel betrachtet hatte.

Der Schiffsjunge zeigte ihr die langen glänzenden Federn. Dann bemerkte er: „Siehst du, man könnte meinen, er käme aus dem Paradies. Er hat gar keine Füße.“ Das passte sehr gut in die Vorstellung des Kindes vom Paradies, dass man dort nicht gehen müsse, sondern sich mit zwei Flügeln fortbewege. Das kleine Mädchen fragte sich, ob es der Paradiesvogel sei, der ihr geholfen habe.


Das Mårbacka Café

Ich habe mir auch ein kleines Buch mit Rezepten von Mårbacka mitgebracht, das es leider nur auf Schwedisch gab.
Davon werde ich sicherlich das eine oder andere ausprobieren, aber das dauert noch ein wenig, denn ich muss erst noch versuchen, es  irgendwie zu übersetzen.



Hier sind die Bilder von unserer Besichtigungstour auf Mårbacka:


Der Seerosenteich, gleich beim Eingang


Der Gemüse- und Obstgarten



Die schwarze Katze, die wir bei unserem ersten Besuch hier angetroffen haben, haben wir diesmal vermisst…


 


 


Das Herrenhaus



Der Flügel



Der Flügel wurde 1909-10 erbaut. Hier wurde Selma Lagerlöfs berühmtes „Mårbacka“ Haferkraft“ abgepackt, ein Mehl aus geröstetem Hafer, das im Värmland „Skrädmjöl“ genannt wird.
Dieses Mehl hat wertvolle Eigenschaften, die der Arzt Per Clarholm, Oberarzt in Karlstadts Krankenhaus, auf der Verpackung bestätigte:
„Skrädmjöl ist gesund, stärkend, wohlschmeckend und durch seine Ergiebigkeit auch preisgünstig.”
Die Produktion  begann Anfang 1920 und „Mårbacka“ Haferkraft“ wurde u.a. in einer großen Geschäftskette in Stockholm verkauft und nach Amerika exportiert.
Heute wird der Flügel als Dienstwohnung benutzt.

Das Hafermehl kann man heute noch in den lokalen Supermärkten und auch im Buchladen von Mårbacka kaufen. Es wird von der Stöpafors Mühle produziert – darüber werde ich in einem weiteren Beitrag berichten.
Im Café auf Mårbacka kann man den Mårbackakaka (siehe oben) und Pfannkuchen, die mit Skrädmjöl gebacken sind, probieren.



Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Wohngebäude



In der Mårbacka-Scheune finden jeden Sommer Ausstellungen statt, die Selma Lagerlöfs Leben und Dichtungen wiederspiegeln. Auch für Kinder gibt es hier viel zu sehen und zu erleben.



Das ehemaliage Arbeiterwohnhaus


Das Mårbacka Café


 

Die Marbacka Geranie in blassrosa

Die blassrosafarbene Mårbacka Geranie hatte ich bereits im Rottneros-Park entdeckt. Eine besondere Farbe, die ich bisher noch nie gesehen hatte.



Wir hatten uns zum Kaffee für Pfannkuchen aus Skrädmjöl entschieden. Dazu Sylt = Marmelade nach Wahl und Schlagsahne.



Das Rezept für die Pfannkuchen folgt demnächst hier im Blog.


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Klässbols Linnenväveri: Edle Tücher für den König


In der Nähe von Arvika, Schweden – etwa 30 km von unserem diesjährigen Urlaubsort entfernt – befindet sich die Leinenweberei Klässbols mit Fabrikverkauf.

Dort kann man wunderschön gewebte Stoffe aus Leinen in allen Farben und Mustern erwerben. Das Angebot reicht von der kompletten Tischwäsche, wie Decken, Servietten über Tischsets, bis zu Geschirrtüchern, Bettwäsche, Vorhängen, Kissen und Stoffen in zahlreichen Variationen.

Die Markgräflerin besitzt bereits von einem früheren Besuch mehrere Küchentücher und eine Mitteldecke und außerdem eine große Tischdecke mit passenden Servietten.
Da die große Tischdecke nur auf den ausgezogenen Tisch passt und daher nur benutzt wird, wenn wir Gäste haben, musste ich unbedingt noch etwas für den täglichen Gebrauch haben.
Also sind wir erneut nach Klässbol gefahren.


 


Natürlich blieb es nicht nur beim Einkauf der Tischdecke, sondern es gab auch noch eine weitere Mitteldecke, die euch hier im Blog in Zukunft noch einige Male als Unterlage für die Kaffeetafel begegnen wird!
Neben dem vielfältigen Angebot im Fabrikladen gibt es hinter den Verkaufsräumen ein kleines Museum.
Im Museum kann die Geschichte und Entstehung einer damals noch handgewebten Leinentischdecke nachempfunden und die verschiedenen Lochmusterkarten für die Webmuster in Augenschein genommen werden. Außerdem kann man noch nebenan in die Produktionshallen gehen und hier – mit Gehörschutz ausgestattet – sehen, wie aus vielen kleinen Leinenfäden eine neue Stoffbahn mit dem jeweiligen Muster entsteht.



Klässbols Leinenweberei wurde 1920 von Hjalmar Johansson gegründet, der in dem kleinen südschwedischen Dorf Klässbol auf die Welt gekommen ist.
Anfangs stellte die Weberei Leinenstoffe für die Leute aus der Umgebung her. Das Angebot wurde bald um Jacquardstoffe, Köper (Twill) und Damast erweitert.
Die schönen Musterkombinationen in Kette und Schuss waren und sind immer noch typisch für die Leinenstoffe von Klässbols.


Typisches Webmuster Klässbols
Lochkarten für die Webmuster

Heute gibt es diese shönen Einrichtungstextilien nicht nur im heimischen Umfeld, sondern auch weltweit in Museen, Botschaften, Restaurants, Hotels und im öffentlichen Bereich.
Klässbols Leinentücher schmücken auch die Tafel am schwedischen Königshof.
Die Weberei wird nun schon in der vierten Generation der Familie Johansson betrieben und ist seit dem Jahre 1970 sogar königlicher Hoflieferant für das schwedische Königshaus.
Zur Geburt der kleinen Estelle, der Tochter des Thronfolgerpaares, entwarf die Leinenweberei ein ganz spezielles Muster für das königliche Bett der kleinen schwedischen Prinzessin.
Darüber hinaus stellt Klässbols Linneväveri die Tischwäsche für verschiedene Empfänge her und produzierte sogar für die Suite Klassbol im Hotel The Dylan in Amsterdam (Niederlande) Bettwäsche sowie Polsterbezüge.


 

 


Der Webstuhl für die großen Tischtücher


Der Webstuhl wurde 1899-1900 für Nina von Engeström in Örebro gebaut.
Carl Wilund, Trangärdstorp, Karlstadt übernahm ihn dann und webte unter anderem die Tischdecken zur Hochzeit von Prinzessin Ingrid mit Kronprinz Frederik von Dänemark.
Nach 1940 war der Webstuhl nicht mehr in Betrieb. Ende 1960 kam er in Besitz der Familie Edvinsson in Kinnekulle, die ihn dann Anfang 1990 an die Klässbols Leinenweberei übergeben hat. Hier werden jetzt die Tafeltücher für König Carl Gustav XVI. gewebt. Es handelt sich hierbei um 7 Tischdecken à 8 Meter und 2 Tücher à 4 Meter. Alle Tücher sind 3 Meter breit, sie haben 40 Kettfäden pro cm, insgesamt sind das 11.788 Fäden.
An einem Tag kann etwa eine Länge von 10 cm gewebt werden.



Der Webstuhl für Servietten


Über das Herstellungsjahr liegen keine sicheren Unterlagen vor. Höchstwahrscheinlich wurde er um die Jahrhundertwende 1900 erbaut
Carl Wilund, Trangärdstorp, Karlstadt, war bis zu seinem Tode 1968 der Besitzer des Webstuhles. Danach wurde er von Anna Britta und Josef Edvinsson in der Damastweberei verwandt, bis er Anfang 1990 der Leinenweberei Klässbols als Geschenk überlassen wurde.

Derzeit werden Servietten für König Carl Gustaf XVI gewebt. 40 Kettfäden per cm ergeben insgesamt 3.396 Fäden. Mit 48 Einschlägen pro cm können ungefähr 30-40 cm am Tag gewebt werden.



Im 19. Jahrhundert waren die blauen Flachsblumen in den ländlichen Gebieten Schwedens ein alltäglicher Anblick. Viele Familien waren am gesamten Herstellungablauf beteiligt – vom Anbau über das Rösten und spinnen des Flachses bis hin zum Weben fertiger Weißwaren wie Laken, Tischtücher, Handtücher und Stoffe.



Es war ein bescheidener Anfang für Hjalmar Johansson, der den Dorftischler bat, ihm beim Bau eines Handwebstuhls für das Herstellen von Laken zu helfen, damit die Leute aus der Gegend mit ihrem handgesponnenen Flachsgarn zu ihm kommen und es weben lassen konnten.


 


Die von Klässblols gewebten Leinenstoffe sind Kunstwerke. Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Weberei ist für alle dort Beschäftigten von großer Bedeutung.
In bestimmter Hinsicht ist die Zeit stehengeblieben und die alten Traditionen behalten ihre Bedeutung und leben weiter.
Alle alten Webstühle sind immer noch im Gebrauch. Das ist gar nicht so eigenartig, wie es einem vorkommt. Moderne Webstühle sind ganz einfach nicht in der Lage, die gleiche Att Qualitiätsstoff herzustellen, wie die alten.
Zu einem dieser Webstühle gibt es noch eine besondere Geschichte zu erzählen.

Nachdem wir die Leinenweberei besichtigt und unsere Souvenirs eingekauft hatten, sind wir vor dem Eingang mit einem älteren Herren ins Gespräch gekommen.
Er erzählte uns, dass ihn mit der Leinenweberei und der Familie Johansson eine ganz eigentümliche Begebenheit verbindet.
Vor vielen Jahren war er in seiner Eigenschaft als Dorfpolizist nachts zur Leinenweberei gerufen worden, weil sich dort anscheinend ein Einbrecher zu schaffen gemacht hatte.
Der Einbrecher hatte sich in angetrunkenem Zustand Zugang zur Produktionshalle verschafft und sich dann ausgerechnet den Webstuhl als Schlafplatz ausgesucht, auf dem täglich nur etwa 10 cm Stoff gefertigt werden können.
Der Besitzer hatte das Ganze damals wohl als positiv angesehen, dass, obwohl die Arbeit, die schon einige Zeit fortgeschritten war durch das Nickerchen des Einbrechers komplett zerstört war, die Tischdecke noch nicht kurz vor der Fertigstellung war, sondern nur etwa die Hälfte davon gewebt war.
Seit diesem Erlebnis schaut der ehemalige Dorfpolizist ab und zu mal bei der Leinenweberei vorbei, um Hallo zu sagen.
Die Belegschaft sei wie eine große Familie. Der Besitzer kümmert sich um die Anliegen seiner Angestellten von denen vielde dort schon in 5. oder 6. Generation arbeiten.
Die Leinenweberei gehört einfach zur Gegend und die Leute sind stolz darauf, dort zu arbeiten und so die alten Traditionen zu pflegen.



Klässblols stellt klassische Leinenstoffe her.
Einfache, naturnahe Muster, Form und Farbe in natürlicher Harmonie. Stoffe, die zeitlose Eleganz und raffinierte Schlichtheit ausstrahlen. Das ist eine der Traditionen von Klässbols.
Qualität erfordert Erfahrung, Sorgfalt und Können. Die Tradition von Klässbols beruht darauf, dass nur die besten Rohstoffe ausgewählt werden und somit ein Qualitätsprodukt garantiert werden kann. Klässbols hat sich seit jeher darum bemüht, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Die gesamte Herstellungsmethode ist umweltfreundlich.


 


In der Produktionshalle


 


Präsentation und Verkauf


 

 

 


Sicherlich hat die hohe Qualität der Stoffe auch ihren Preis. Aber die Anschaffung lohnt sich.
Die Leinenstoffe sind robust, bei 60 °C waschbar und werden mit Gebrauch und den Jahren noch schöner, und mit ihren klassischen Mustern hat man lange Freude, ohne sich daran satt zu sehen.
Bei der Größenauswahl sollte man bedenken, dass das Gewebe beim ersten Waschen um ca. 7% schrumpft.


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Motti (Nävgröt) med fläsk- Eine Spezialität aus dem Värmland


Die Hauptzutat von Nävgröt ist Skrädmjöl, geröstetes Hafermehl, über welches ich hier im Blog schon öfters geschrieben und auch einige Rezepte veröffentlicht habe.

Das Gericht kam mit den Finnen, die sich in den nördlichen Teilen des Värmlands niederließen, nach Schweden.
Auf Finnisch wird Nävgröt als „Motti“ bezeichnet und viele Värmländer verwenden immer noch diesen Namen.



Nävgröt wird mit gebratenem Schweinefleisch oder ausgelassenem Speck, Bratfett und Preiselbeeren (Konfitüre) gegessen. Dieses Gericht kann zurecht als Delikatesse bezeichnet werden und es ist im Värmland zu einer Art Nationalgericht geworden, eine Tradition, die zum Kulturgut erklärt worden ist.
Im Sommer wird das Gericht überall in den Heimatmuseen mit Bewirtung angeboten.



Wir hatten „Motti med fläsk” im Heimatmuseum Kollsberg in Torsby probiert und waren begeistert. Ich habe natürlich nachgefragt, wie man das Gericht kocht.
Das sei ganz einfach und geht schnell, lautete die Antwort.
Man kocht Wasser mit etwas Salz auf, gibt auf einen Schwung das Skrädmjöl dazu, kocht es eine Weile. Dann stampft man es mit einer Art Kartoffelstampfer, bis die Masse krümelig wird.



Hier ist das Originalrezept aus Schweden – der Text ist aus einer Projektarbeit von Malin Fransson und Maria Olsson, dem kleinen Büchlein mit Rezepten aus Mårbacka „En doft av Mårbacka“, entnommen. Ich habe den Text nach bestem Wissen übersetzt, da es das Büchlein leider nur auf Schwedisch gab.

Skrädmjöl är huvudingrediensen i nävgröt, en maträtt som kom till Sverige med finnarna som bosatte sig i de norra delarna av Värmland.

På finska heter nävgröt „Motti“ och bland många värmlänningar används fortfarande det namnet. Nävgröt äts med stekt fläsk, stekflott och lingonsylt. Rätten kan med fog kallas delikatess och har kommit att bli något av en nationalrätt i Värmland, en tradition som fått kulturstämpel.

Nävgröt
4-6 Pers.

6 dl vatten
1 tsk salt
500 gram skrädmjöl
fläsk
flott
lingonsylt

Koka upp vatten och salt. Slå i skrädmjöl, allt på en gång, så dett täcker vattenytan. Rör inte utan stampa med grödknäpp eller trädsked. När allt vatten ångar igenom är gräten färdig att servera, med stekt fläsk, flott och en klick lingonsylt.


 


Man findet das Rezept – neben anderen – übrigens auch auf den Skrädmjöl-Verpackungen.
Dort wird das Gericht als „Nävgröt” bezeichnet und es werden 700 ml Wasser dafür verwendet. Außerdem ist die Zubereitung etwas genauer beschrieben…



Nävgröt / Motti med fläsk


Zutaten
für 4-6 Personen

• 700 ml Wasser
• 1 Teelöffel Salz
• 500 Gramm Skrädmjöl
• gebratenes Schweinefleisch (ausgelassener Speck)
• Bratfett/ausgelassenes Speckfett
• Preiselbeeren

Zubereitung
Wasser und Salz aufkochen. Das Skrädmjöl auf einmal hinzugeben, so dass es die Wasseroberfläche bedeckt. Den Topfdeckel auflegen und eine Weile köcheln lassen., bis das Wasser komplett aufgesogen ist. Dann mit einem Kartoffelstampfer oder Holzlöffel stampfen (nicht rühren!), bis eine klumpige Masse entsteht.  Mit gebratenem Schweinefleisch/Speck, ausgelassenem Fett  und einem Klecks Preiselbeerkonfitüre (lingonsylt) servieren.



This is a speciality of Värmland, Sweden. It is served in the homestead museums in summer.
It is a kind of porridge, made from skrädmjöl, which is toasted oatmeal flour -another speciality of this area – traditionally served with fried pork/bacon (stekt fläsk), drippings (flott) and cranberry jam (lingongsylt). 



Nävgröt / Motti med fläsk

Ingredients
for 4-6 persons

700 ml of water
1 teaspoon salt
500 grams skrädmjöl
fried pork (bacon)
Drippings / omitted bacon fat
cranberry jam (lingonsylt)

Instructions
Bring water and salt to a boil. Add the flour at once so that it covers the water surface. Cover with a lid and simmer for a while until the water is completely absorbed. Stomp (do not stir!) with a potato masher or wooden spoon until crumbly. Serve with fried pork/ bacon, drippings and a dollop of cranberry jam (lingonsylt).

Englisch, Fotografie, Garten, Natur & Garten, Reisen, Schweden, Sommer

Rottneros Park – Selma Lagerlöfs „Ekeby“

Rottneros Park – Das Herrenhaus

An unserem ersten Tag in Schweden – es war ein Sonntag – haben wir einen Ausflug in den Rottneros Park gemacht.

Der Rottneros Park ist ein einzigartiger Skulpturenpark in Sunne, Värmland, mit einer faszinierenden Kombination aus formellen Parkbereichen, natürlichen Parklandschaften und kreativem Gartenbaudesign. Es ist ein Ort voller Sagen und Geschichten, Träume und Visionen – Das Rottneros Anwesen ist das „Ekeby“ in Selma Lagerlöfs Gösta Berlings Saga.
Der Roman, Selma Lagerlöfs Erstlingswerk, erschien 1891. Er spielt im Värmland in den 1820er Jahren und handelt von dem abgesetzten Pfarrer Gösta Berling, der zum Anführer der Kavaliere auf Ekeby wird. Das abenteuerliche Leben dieser Kavaliere, ehemalige Offiziere und verarmte Adlige, die auf Gut Ekeby eine Freistatt gefunden haben und ihre Tage mit Liebesabenteuern, Musizieren, Kartenspielen und ähnlichen Vergnügungen verbringen, wird in zahlreichen recht selbständigen Kapiteln vorgestellt. Die Geschichte Gösta Berlings, der nach mancherlei Erlebnissen und Erfahrungen zu einem besseren Menschen geläutert wird, bildet hierbei die Rahmenhandlung für eine Reihe eher lose verknüpfter Episoden.

Svante Påhlson, ein Visionär, entwarf Mitte der 1950er Jahre in Rottneros ein Herrenhaus, das Ekeby entsprechen konnte.



Der heutige Rottneros-Park wurde in der Mitte des 20. Jahrhunderts in einer intensiven Entwicklungsphase errichtet. Die zentralen Bereiche um und südlich des Herrenhauses wurden zuerst in Form eines formellen Parks mit barocken Merkmalen angelegt. Diesem folgten einige der romantischeren Bereiche am Rande des Parks, die sich dem Stil des englischen Landschaftsparks ideal anpassten. Die anderen zentralen Teile erhielten einen etwas formelleren Stil, der jedoch nicht die ausgeprägte Linearität oder Symmetrie der barock inspirierten südlichen Gebiete aufweist.

Der Park wurde nicht nach einem Masterplan gestaltet, sondern wurde weiterentwickelt, als neue Ideen, Skulpturen und Bildhauer auf den Plan traten. Es gab jedoch ein wichtiges grundlegendes Konstruktionsmerkmal, um das herum alles gebaut wurde: zwei Achsen, die in Nord-Süd-Richtung verliefen. Diese Nord-Süd-Achsen werden von einer Ost-West-Achse durchquert, die das Herrenhaus durchschneidet. Die Verwendung von Achsen ist eine wichtige Komponente in klassischen Parks; In diesem Sinne erhielt der Park seine Grundstruktur, so dass er dem Stil des 1932 fertiggestellten neuen Herrenhauses entspricht.

Svante Påhlson sorgte auch dafür, dass die Schönheit der umliegenden Landschaft in das Parkkonzept integriert wurde, um ein interessantes Wechselspiel zwischen Natur, Architektur, Parkland und Skulpturen zu schaffen. Die Aussicht und die Sichtachsen über den See Fryken und die dunklen Waldhänge sollten ein wesentlicher Bestandteil des Gesamterlebnisses sein. Die Räume des Parks sollten dagegen von geraden Hecken umgeben und mit üppiger Vegetation bewachsen sein. Es ist dieser Kontrast zwischen einem formalen Park, der in geraden Linien angelegt ist, und dem offenen Blick über die hügelige Landschaft, der solch eine anregende Umgebung bietet.



Der Eingang zum Rottneros Park: Auf der rechten Seite befindet sich ein Café, auf der linken Seite ein kleiner Laden, wo man den Eintritt bezahlt und in dem man allerlei nette Sachen kaufen kann, Souvenirs und kleine Geschenke, Nützliches für den Garten, Pflanzen und Samen aus der hauseigenen Gärtnerei….


Allee hinter dem Eingang – mit Pflanzenverkauf

Der Kräutergarten


Vor der Rottneroshalle – Restaurant und ein beliebter Ort für stilvolle Hochzeitsfeiern


 

 

 


Rund um den Parksee

 

 


Hier haben nicht nur Kinder ihren Spaß:  Nils Holgersson Abenteuer-Spielplatz:


 


Im Park gibt es über hundert Skulpturen und Reliefs. Die meisten von ihnen sind Werke bekannter nordischer Bildhauer, die in der Zeit zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und der Mitte des 20. Jahrhunderts tätig waren. Da Svante Påhlson vor allem die moderne Kunst und insbesondere Bildhauer unterstützte, wählte er vor allem Arbeiten zeitgenössischer Bildhauer. Er wählte eine Reihe von Stücken von historischem Interesse aus verschiedenen Epochen, wahrscheinlich basierend auf der pädagogischen Idee, diese Stücke zeitgenössischen Werkes in einen Kontext der Kulturgeschichte zu stellen. Dazu gehörten Nike aus Samothrake (Hellenistische Ära) und Diana aus Anet von Jean Goujon (1510-1565). Die meisten Skulpturen im Park sind Kopien, meistens in Bronze gegossen.


Carl Eldh1873-1954  – UNSCHULD


CARL-ELDH-PARTERRE

Das gepflasterte Parterre mit zwei Gartenpavillons wurde nach Carl Eldh (1873-194) benannt. Hier stehen mehrere Werke von ihm. Geradeaus steht „Tanz”, eine Skulptur, die durch seine Idealisierung einen Kontrast gegen das realistische Werk „Junges Mädchen” darstellt.
Daneben steht das frühe Werk „Unschuld”, wofür der Künstler eine Anerkennung bei der Weltausstellung in Paris 1900 erhielt.

In den Nischen der beiden Gartenpavillons stehen die Portraitbüsten von Gustaf Fröding und Selma Lagerlöf, die von Eldh beziehungsweise Astri Bergman-Taube (1898-1980) geschaffen wurden.


Carl Eldh – TANZ


Die Werke schwedischer Bildhauer umfassen zwölf Skulpturen von Carl Eldh, sieben von Christian Eriksson, sechs von Eric Grate, fünf von Gunnar Nilsson, fünf von Per Hasselberg, vier von Tore Strindberg, vier Skulpturen der Orfeus Group und eine Engelbrekt-Studie von Carl Milles. Nur eine Frau ist in der Skulpturensammlung vertreten: Astri Bergman-Taube hat die Büste von Selma Lagerlöf auf Carl Eldhs Parterre gemalt.
Bildhauer aus den anderen nordischen Ländern gehören Gustav Vigeland, Jussi Mäntynen, Kai Nielsen, Arne Durban und Asmundur Sveinsson.



Die zwei Luchse, welche die große Treppe zum Skulpturenhof flankieren, werden „Mutterstolz” genannt und sind von dem Finnländer Jussi Mäntynen (1886-1978) geschaffen worden.
Die zwei Seitentreppen sind auf ähnliche Weise von zwei barocken Putten umgeben. Der Künstler ist unbekannt.


 


Königsgarten

 


Der Kavalierflügel



Im Staudengarten


 


Milles Fontäne und Christian Eriksson-Park


 

 

 

 

 


Rottneros Park is an unique sculpture park in Sunne, Värmland, with an exciting combination of formal park areas, natural parkland vistas and creative horticultural design. It is a place full of tales and stories, dreams and visions, all longing to be told.

Rottneros Mansion is „Ekeby“ in Selma Lagerlöf’s Gösta Berling’s Saga, which is how it all began:

Svante Påhlson, a man of vision, designed a manor at Rottneros that could match Ekeby. That was in the middle of the 1950s

Rottneros Park, as it is today, was constructed during an intensive period of development in the middle of the 20th century. The central areas around, and to the south of, the mansion were laid out first, in the form of a formal park with baroque-style features. This was followed by some of the more romantic areas on the outskirts of the park, in keeping with the style of the English country park ideal. The other central parts were given a somewhat more formal style which does not, however, have the distinct linearity or symmetry of the baroque-inspired southern areas.


The park was not formed according to any master plan: it was instead developed as and when new ideas, sculptures and sculptors appeared on the scene. There was one important basic constructional feature, nevertheless, around which everything was built: two axes running in a north-south direction. 
These north-south axes are crossed by an east-west axis that cuts through the mansion house. The use of axes is an important component in classical parks; it was in this spirit that the park was given its basic structure so that it would match the style of the new mansion house that had been completed in 1932.

Svante Påhlson also made sure that the beauty of the surrounding countryside was incorporated into the park concept in order to create an interesting interplay between nature, architecture, parkland and sculptures. The views and lines of sight over Lake Fryken and the dark forest slopes should be an integral part of the total experience. The rooms of the park, on the contrary, should be surrounded by straight hedges and filled with rich vegetation. It is this contrast between a formal park laid out along straight lines and the open views over the rolling landscape that provides such a stimulating setting.

There are over a hundred sculptures and reliefs in the park. Most of them are the work of well-known Nordic sculptors active in the period between the end of the 19th century and the middle of the 20th century. As Svante Påhlson was keen to support modern art, and sculptors in particular, he chose mostly work by contemporary sculptors. He picked a number of pieces of historical interest from different eras, probably based on the pedagogical idea of setting these pieces of contemporary work in a context of cultural history. They included Nike from Samothrake (Hellenistic era) and Diana from Anet, by Jean Goujon (1510-1565). Most of the sculptures in the park are copies, more often than not made in bronze casts.
Work by Swedish sculptors includes twelve pieces by Carl Eldh, seven by Christian Eriksson, six by Eric Grate, five by Gunnar Nilsson, five by Per Hasselberg, four by Tore Strindberg, four sculptures from the Orfeus Group and an Engelbrekt study by Carl Milles. Only one woman is represented in the collection of sculptures: Astri Bergman-Taube made the bust of Selma Lagerlöf that can be found on Carl Eldh’s parterre.
Sculptors from the other Nordic countries include Gustav Vigeland, Jussi Mäntynen, Kai Nielsen, Arne Durban and Asmundur Sveinsson.

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Käsesahne auf Schwedisch: Blaubeertorte – Skrädmjöl Blåbärtårta

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Die Idee zu dieser Torte habe ich schon eine zeitlang im Kopf. Im Handel hatte ich mal eine Fertigbackmischung für Schwedische Blaubeertorte gesehen. Aber damit sie echt schwedisch ist, braucht sie noch das gewisse Etwas – richtig, ich habe es ja im Titel schon verraten – ich entschied mich für einen Rührteigboden aus schwedischem, geröstetem Hafermehl, dem Skrädmjöl. Das ist garantiert original schwedisch und wurde mir von meiner lieben Bekannten vom alljährlichen Schwedenbesuch mitgebracht. Das Rezept für den Boden ist auch original schwedisch, der klassische Mårbackakaka, das ich selbst mal aus Schweden mitgebracht habe. Mårbacka ist ein Ort im Värmland, besser gesagt das Haus von Selma Lagerlöf (Nils Holgerson, ihr erinnert euch?).

Dann wollte ich eine eckige Form verwenden und aus dem Carepaket von Dr. Oetker war noch Tortencreme Käsesahne da und endlich findet auch diese ihre Bestimmung. An dieser Stelle nochmals ein dickes Dankeschön an Dr. Oetker.

Blumen schweden

Ich habe tiefgekühlte Heidelbeeren/Blaubeeren verwendet und sie nur so lange auftauen lassen, bis sie von alleine auseinandergefallen sind (300 g Packung, TK-Spinat-Größe…) Den Boden habe ich am Tag zuvor gebacken und am darauffolgenden Tag die Creme gerührt, auf die Torte gegeben, gekühlt und als die Heidelbeeren dann soweit waren, habe ich den aufgefangenen Saft mit Wasser verdünnt und ein Tütchen Tortenguss damit angerührt… und sie schmeckt sooooo lecker, da fühlt man sich, als wäre man in Schweden! Schwedischer Sommer für zu Hause, ist das.

selbstgesammelte Blaubeeren, Schweden 2007
selbstgesammelte Blaubeeren, Schweden 2007
Blumen schweden1
wilde Blumen in Schweden, als Blumenvase dient eine Kaffeekanne aus Porzellan, man beachte den Heidelbeer-Rechen rechts oben an der Wand der Ferienhütte

Hier ist das Rezept für den Marbacka Kaka in Englisch / Deutsch vom Schwedischen von mir in beide Sprachen übersetzt – ja, da staunt ihr – da ich inzwischen einige englischsprachige Leser habe, versuche ich wieder ein wenig mehr Internationalität hier reinzubringen, da werden einfach alte Posts wiederverwertet. Der Google Translator hat übrigens neulich meine Heimatstadt „Müllheim” mit garbage home übersetzt – und das geht nun gar nicht, denn Müllheim kommt nicht vom Müll, sondern vom Müller und den Mühlen, die es früher zahlreich in Müllheim gab – inzwischen wurde ein altes Haus restauriert und eine Mühle, die noch richtig echt Getreide mahlt drangebaut, es beherbergt nun das Müllheimer Mühlenmuseum, die Frickmühle). So, jetzt wäre das auch mal klargestellt.

Marbacka-Kuchen

Swedish cake with skrädmjöl (roasted oatmeal flour)

Ingredients: 200 g butter, 250 ml sugar (IKEA metal measuring jug), 3 eggs, 200 g skrädmjöl (Stöpafors Kvarn), 1 tsp. baking powder,
1 tablespoon water, 3 drops oil of bitter almonds.

Prepare batter with „KitchenAid“. Grease baking pan (arcoroc glas, 22 cm) with butter, fill in the batter and bake at 175°C for 50-55 minutes. Serve with whipped cream and jam (red currant, lingonberry, blueberry, hjortron…)

Stopafors-Mühle

In meinem Schwedenurlaub habe ich beim Besuch von Selma Lagerlöfs Wohnhaus (Marbacka) im Museumscafé einen köstlichen Kuchen gegessen! Zu Hause habe ich das Rezept nachgebacken und alle waren davon begeistert.

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Marbacka, Schweden, Haus von Selma Lagerlöf

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Marbacka-Kuchen aus Schweden

Schwedischer Kuchen mit skrädmjöl (geröstetes Hafermehl)

Zutaten für einen runden Kuchen (Durchmesser 22 cm):

200 g Butter, 250 ml Zucker (im IKEA Metallmessbecher abgemessen), 3 Eier, 200 g geröstetes Hafermehl (Stöpafors Mühle in Sunne), 1 gehäufter Teelöffel Backpulver, 1 Esslöffel Wasser, 3 Tropfen Bittermandelöl.

Einen Rührteig herstellen: In einer Schüssel die Eier mit Zucker schaumig rühren, Butter in Flocken hinzufügen, Rühren bis eine cremige Masse entsteht. Mehl mit Backpulver mischen, über die Eiermasse sieben und unterheben. Eine Backform mit 22 cm Durchmesser einfetten, die Teigmasse einfüllen und den Kuchen 50-55 Minuten bei 175°C backen. Mit Schlagsahne und Johannisbeer-, Preiselbeer-, Multebeer- oder Heidelbeermarmelade servieren.

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Also, wie bereits erwähnt, habe ich den Boden nach diesem Rezept gemacht, aber eine quadratische Form mit 24  x 24 cm Seitenlänge verwendet. Die Form mit Butter einfetten und mit etwas Mehl bestäuben. Dann den Kuchen backen, in der quadratischen Form braucht er nur etwa 40 bis 45 Minuten, 175 °C.

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Blaubeertorte – Skrädmjöl Blåbärtårta

Für den Belag braucht man:

1/2 Packung Tortencreme Käse-Sahne von Dr. Oetker

blabärtarta6250 g kalte Schlagsahne
100 ml warmes Wasser
250 g Speisequark (Magerstufe, 20 % Fett)

300 g TK Heidelbeeren/Blaubeeren
1 Päckchen Tortenguss, klar
2 gestrichene Esslöffel Zucker

Den vollständig abgekühlten Kuchen in der Form lassen! Dann die Creme zubereiteten. Zuerst die Sahne sehr steif schlagen, beiseite stellen. Dann das Tortencreme-Pulver (1/2 Packung) in eine Rührschüssel geben, warmes Wasser hinzufügen und mit einem Schneebesen 1/2 Minute gut verrühren. Erst den Quark portionsweise unterrühren, dann die Sahne unterheben. Die Käsesahne-Masse auf dem Boden verteilen, glattstreichen, mit Frischhaltefolie abdecken und ca. 3 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen.

Die Heidelbeeren/Blaubeeren in der zwischenzeit antauen lassen. Die noch halb gefrorenen Beeren nach der Ruhezeit im Kühlschrank auf dem Kuchen verteilen.
Dabei möglichst wenig von dem Saft darauf geben.

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Den Heidelbeersaft dann zum Anrühren des Tortengusses verwenden, d. h. mit soviel Wasser verdünnen, dass es 250 ml ergibt, dann mit Zucker verrühren, unter gelegentlichem Rühren aufkochen lassen (der Guss wird dann von milchig violett zu klar violett). Vom Herd nehmen, 1 Minute abkühlen lassen und mit einem Esslöffel den Kuchen damit überziehen. Er kann dann nach etwa 20 Minuten, wenn der Guss fest geworden ist, angeschnitten werden (man kann auch mit dem Kühlschrank nachhelfen, dann aber keine Frischhaltefolie drüber machen, weil sich sonst Wassertröpfchen auf dem Guss bilden können.

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So, genug erzählt und Bilder gezeigt – jetz könnt ihr den echt schwedischen Kuchen nachbacken und euch eine Blaubeer-Zunge holen, wie wir damals in Schweden:

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