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Aus der Wildkräuter-Küche: Giersch-Pesto


Kaum regnet es im Frühling nach ein paar warmen und trockenen Tagen – so wie am vergangenen Wochenende – erstrahlt der Garten in sattem Grün und die Pflanzen schießen förmlich in die Höhe. Aber nicht nur die Radieschen im Hochbeet wachsen zu Riesen heran, sondern auch die Wildkräuter, vor allem die, welche bei manchem Hobbygärtner auf der Liste der unliebsamen und schier unbezwingbaren Unkräuter stehen.
So auch in meinem Vorgarten, wo sich der Giersch dieses Jahr wieder explosionsartig ausbreitet.
Die Markgräflerin hat sich inzwischen damit abgefunden – jedes Jahr im Frühjahr, Sommer und Herbst wird versucht, so viel wie möglich davon samt Wurzel auszurupfen oder auszugraben.
Aber es landet nicht alles im Grünschnitt-Abfall, der zur Kompostierungsanlage gebracht wird, sondern ein großer Teil der jungen, frischen grünen Blättern wird in der Küche verarbeitet.


Die Markgräfler in ihrer grünen Kräuterküche

Die vergangenen beiden Feierabende war ich also damit beschäftigt, den Giersch im Vorgarten zu entfernen – und ich bin immer noch nicht fertig!
Dieses Jahr habe ich auch einen großen Teil an eine Nachbarin verschenkt und ihr geraten, den Giersch wie Spinat zuzubereiten:
Blätter vom Giersch abzupfen, waschen, trockenschütteln. Eine Zwiebel – nach Belieben auch Knoblauch – schälen, fein hacken.
Zwiebelwürfel in Butter andünsten, Gierschblätter dazugeben und wenige Minuten anbraten. Ein wenig Gemüsebrühe dazugeben, nach Belieben mit Sahne verfeinern, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dazu passt Spiegelei.

Aus einem weiteren Teil habe ich Giersch-Pesto gemacht. Ich habe bewußt keinen Knoblauch mit ins Pesto getan – dieser kann je nach Gericht nach Belieben frisch hinzugefügt werden.
Wie ich das Pesto weiter verwendet habe, erfahrt ihr in einem separaten Beitrag.



Giersch-Pesto


Zutaten
• 2 Handvoll Giersch
• 100 g Mandeln
• ca. 1 Teelöffel Meersalz
• 50 g frisch geriebener Parmesankäse
• Olivenöl / Rapsöl

Zubereitung
Die Gierschblätter abzupfen, waschen und über Nacht trocknen lassen.
Am nächsten Tag alle Zutaten bereitstellen. Die Mandeln in einer Küchenmaschine/Cutter klein hacken.
Die Gierschblätter, Salz und etwas Öl dazugeben und fein hacken.
Den geriebenen Parmesan unterrühren. Pesto in kleine Gläser bis 1 cm unter den Rand füllen. Jeweils mit Öl auffüllen, so dass das Pesto vollständig bedeckt ist und die Gläser gut verschließen.
Das Pesto kann – im Kühlschrank gelagert – ca. 3 Monate aufbewahrt werden.
Pesto immer mit einem sauberen Löffel entnehmen und gleich wieder mit Öl bedecken.



Goutweed / Ground Elder Pesto


Ingredients
2 handfuls of goutweed
100 g almonds
approx. 1 teaspoon sea salt
50 g freshly grated Parmesan cheese
Olive oil / rapeseed oil

Preparation
Pluck off the goutweed leaves, wash and leave to dry overnight.
The next day, chop the almonds into small pieces in a cutter. Add the goutweed leaves, salt and some oil and chop finely. Then stir in the grated Parmesan cheese.
Fill the pesto into small glasses up to 1 cm below the edge. Fill up with oil so that the pesto is completely covered. Close the glasses well.
The pesto can be stored in the refrigerator for approx. 3 months. When you take out some of the pesto, always use a clean spoon and immediately cover with oil again.

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Kohlrabi Carpaccio mit Giersch

Kohlrabi Carpaccio 3


Der Giersch hat in meinem Garten schon wieder die Macht ergriffen. Er ist einfach nicht zu bändigen.
Ich habe mich inzwischen damit abgefunden – jedes Jahr das gleiche Spiel. Erst sieht man nichts davon, dann regnet es und er schießt in die Höhe.

Als meine Freundin Zoë zu Besuch war, haben wir uns zu zweit darüber hergemacht.
Zoë isst überwiegend vegetarisch, manchmal auch Fisch und Hühnchen. Deshalb wurde während ihres Besuchs im Hause der Markgräflerin mal nur vegetarisch gekocht.

Auf dem Markt in Müllheim haben wir junge Kohlrabi gekauft, denn Zoë hatte bisher noch keine Kohlrabi probiert.
Für mich war es eine prima Gelegenheit, etwas von dem Giersch zu verarbeiten.

Junge Gierschblätter schmecken ein wenig nach Petersilie, aber auch ein wenig nach Möhren. Und beides passt hervorragend zu Kohlrabi.
Die Idee für dieses Rezept stammt aus dem Wald- und Wiesen-Kochbuch von Diane Dittmer, erschienen bei GU
(ISBN 978383383656).


Kohlrabi Carpaccio 1


Kohlrabi-Carpaccio mit Giersch
Für 4 Personen


Zutaten

• 3 sehr kleine Kohlrabi
• Salz
• 4 Orangen
• 100 g Giersch
• 1 Teelöffel Fenchelsamen
• 1 Esslöffel Dijonsenf
• Pfeffer
• 6 Esslöffel Olivenöl
• 50 g Pinienkerne


Zubereitung

Die Kohlrabi schälen und auf dem Gemüsehobel oder mit einem Messer in hauchdünne Scheiben schneiden. Mit etwas Salz bestreuen und mischen.
Die Schale von 3 Orangen mit einem scharfen Messer so gründlich schälen, dass auch die weiße Haut mit entfernt wird.
Die Orangen quer in dünne Scheiben schneiden. Den Saft der restlichen Orange auspressen.

Den Giersch waschen und trocken schütteln. Die Fenchelsamen im Mörser zerstoßen. Ein Drittel des Gierschs mit dem Orangensaft, Fenchel, Honig, Senf, Salz und Pfeffer in den Blender geben und pürieren (oder in einem hohen Rührbecher mit dem Stabmixer pürieren).
Das Olivenöl untermixen.
Die Pinienkerne in einer trockenen Pfanne goldbraun rösten. Herausnehmen, kurz abkühlen lassen und grob hacken.

Die Kohlrabi- und Orangenscheiben dachziegelartig auf Tellern anrichten und den restlichen Giersch darauf verteilen.
Die Vinaigrette darüberträufeln und das Kohlrabi-Carpaccio mit den Pinienkernen bestreuen.

Mit knusprigem Baguette servieren.


Dazu passt überbackener Ziegenkäse mit Honig:

4 dicke Scheiben Ziegenkäserolle nebeneinander in eine mit Olivenöl eingefettete Auflaufform setzen. Mit 4 Teelöffeln gehackten Rosmarinnadeln und ½ – 1 Teelöffel Chiliflocken bestreuen.
Je 2 Teelöffel Honig und Olivenöl darüberträufeln. Den Ziegenkäse unter dem vorgeheizten Backofengrill goldbraun überbacken.


Kohlrabi Carpaccio 2
Kohlrabi Carpaccio mit Giersch / Kohlrabi Carpaccio with ground elder (goutweed)

Once again, the ground elder / goutweed has gained power in my garden. It’s uncontrollable.
But, fortunately it is a very healty weed and so I use it in the kitchen.
At the local market I bought some kohlrabi.
Young ground elder/goutweed leaves taste a bit like parsley, but also a little like carrots. And both perfectly match with the taste of kohlrabi.


Kohlrabi Carpaccio 4

Kohlrabi Carpaccio with ground elder (goutweed)

– For four people –

   3 very small Kohlrabi
Salt
4 oranges
100 g ground elder/goutweed
1 teaspoon fennel seeds
1 tablespoon Dijon mustard
pepper

6 tablespoons olive oil
50 g pine nuts


Peel the kohlrabi and cut into very thin slices with the vegetable slicer or a knife. Sprinkle with a little salt and mix.


With a sharp knife, peel  3 oranges  so thoroughly that even the white skin is removed.
Cut the oranges crosswise into thin slices. Squeeze out the juice of the remaining orange.

Wash the ground elder/goutweed and shake dry. Crush the fennel seeds in a mortar. Give one third of the ground elder/goutweed in a blender, together with the orange juice, fennel, honey, mustard, salt and pepper and puree (or puree in a high mixing bowl with a hand blender). Then mix in the olive oil.

Toast the pine nuts in a dry pan until golden brown. Remove from the pan and allow to cool briefly. Then coarsely chop the pine nuts.

Arrange the orange and kohlrabi slices on a plate and distribute the remaining ground elder over it.

First sprinkle the kohlrabi carpaccio with vinaigrette and then with pine nuts.

Serve with crusty baguette.

You might also serve some baked goat’s cheese with honey:Set 4 thick slices of a goat’s cheese roll in a baking dish, greased with oil. Sprinkle with ½ -1 teaspoon of chilli flakes and 4 teaspoons of chopped rosemary.
Sprinkle with 2 teaspoons of honey and a little olive oil. Bake in the oven under the grill until golden brown.

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Pasta mit Wildkräutern aus dem Garten

Pasta Wildkräuter3

Die Kapitulation im Garten – das Unkraut wird geduldet und einfach aufgegessen!
Taglierini mit Wildkräutersauce

Neulich wieder beim Unkraut ausrupfen: Unmengen von Giersch. Überall im Vorgarten breitet sich das Zeug aus. Im Herbst hatte ich schonmal eine Razzia auf das wuchernde Kraut gemacht, zeitig im Frühjahr alles, was schon sichtbar war ausgerauft, die Erde aufgehackt, Wurzeln entfernt, und, und, und. Neben dem Giersch kommt die treue Seele Brennessel auch wieder mit kräftigem Wuchs zum Vorschein. Also habe ich sämtliche Kräuterbücher gewälzt, die ich besitze und im Internet nachgeforscht, um herauszufinden was man gegen diese Invasion tun könnte.
Rein gar nichts – ausser fast das gesamte Erdreich abzutragen um dann immer noch nicht sicher vor dem kriechenden Unkrautmonster Giersch zu sein.

Pasta Wildkräuter7
Giersch

Giersch kann als Salat oder Gemüse zubereitet werden und erinnert in Geruch und Geschmack an Spinat und ein wenig an Petersilie. Er enthält viel Kalium, Vitamin C, Karotin und Eisen. Er soll gegen Rheuma, Gicht und Arthritis, außerdem krampflösend, entgiftend und blutreinigend wirken. Im Mittelalter, aber auch in neuerer Zeit wurde Giersch sowohl als Gemüse wie auch als Heilpflanze eigens angebaut. Mittelalterliche Quellen belegen, dass er in Kloster- und Bauerngärten eine „natürliche“ Nutzpflanze war. Da Giersch im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsearten über eine lange Zeit im Jahr zur Verfügung steht und nur geringe Ansprüche an Boden, Wasser und Lichtversorgung stellt, sicherte er z. B. während der Weltkriege vielen Menschen die Vitaminzufuhr. Beim Sammeln ist darauf zu achten, eine Verwechslung mit ungenießbaren und sogar giftigen Arten von Doldenblütlern zu vermeiden (beispielsweise Gefleckter Schierling oder Breitblättriger Merk).

Quelle: Wikipedia

Den Giersch kann man an zwei Merkmalen erkennen: am dreigliedrigen Blatt und am Querschnitt des Stängels, der dreieckig ist.

Dann die Erleuchtung und Einsicht zur Kapitulation: irgendwo habe gelesen, dass in Großbritannien der Giersch zusammen mit Rosen absichtlich (!!!) angepflanzt wird, weil die Dolden des Giersch so hübsch dazu aussehen würden… und dann noch den Vermerk, dass Giersch früher an manchen Königshäusern sogar als Delikatesse galt. Ganz wild sollen die Leute damals drauf gewesen sein.
Eigentlich gar nicht so dumm. Denn manch ein lästiges Unkraut des Frühlings erweist sich als vitamin- und mineralstoffreiches und deshalb wertvolles Nahrungsmittel. Früher wusste man noch, dass die Natur fast zu jeder Jahreszeit das richtige für den menschlichen Körper bereithält.

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Die gesammelten Kräuter aus meinem Garten: Bärlauch (mit Absicht in meinen Garten gepflanzt, Brennesseln und Giersch, die ich eigentlich loshaben wollte – bis auf die Gänseblümchen, die sind bei mir sehr willkommen).

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Aber nun zu dem Rezept, welches ich draufhin gefunden – und ein wenig nach meinem Geschmack angepasst habe.

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Brennessel Blatt

Die Brennesseln habe ich mit Einweghandschuhen geerntet. Man verwendet die jungen Blätter der Brennessel. Ein kleiner Trick, damit die Brennesseln nicht mehr auf der Haut brennnen: Küchenkrepp auf die Arbeitsfläche legen, die Brennesseln darauf legen und mit einem Wellholz darüberrollen, bis sie platt sind. Das zerstört die Häärchen auf der Pflanze.

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Und kleingeschnitten sehen Brennesseln auf einmal ganz harmos aus …

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Mit von der Partie: Bärlauch (links) – deutlich erkennbar am Knoblauchgeruch.

Bärlauch wird beim Sammeln immer wieder mit dem Maiglöckchen, den im Frühjahr austreibenden Blättern der Herbstzeitlosen oder den meist ungefleckten Blättern jüngerer Pflanzen des Gefleckten Aronstabs verwechselt. Diese drei Pflanzen sind äußerst giftig, die Vergiftungen können tödlich sein.

Quelle: Wikipedia

Das mit der Verwechslung kann mir also schonmal nicht passieren. Den Bärlauch habe ich an einer Stelle gepflanzt, wo keine Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen sind. Es gibt zwar reichlich wilden Bärlauch in unserer Gegend, aber wenn er in meinem Garten so wunderbar gedeiht, kann ich mir den Weg in den Wald sparen.

Pasta Wildkräuter2

Taglierini mit Wildkräutern

3 – 4 Handvoll junge Wildkräuter (Giersch, Brennesseln, Bärlauch) – Vogelmiere würde auch passen
Gänseblümchen-Blüten als essbare Deko

1 Bund Frühlingszwiebeln
1 Esslöffel Olivenöl
1 Becher Sahne
Schale von 1/2 unbehandelten Zitrone
Salz
Taglierini (dünne Bandnudelnester) oder Spaghetti nach Belieben
2-3 Esslöffel frisch geriebener Pecorino Käse (oder Parmesan)

Die Wildkräuter mit einem Messer oder einem Wiegemesser sehr klein schneiden. Die Frühlingszwiebeln waschen und in Röllchen schneiden.

In einer Pfanne das Olivenöl erhitzen, die Frühlingszwiebeln darin andünsten. Die Wildkräuter hinzufügen (vom Bärlauch ein wenig zurückbehalten, zum Aufstreuen).
Die Zitronenschale abreiben, oder einen Zestenreißer verwenden).

Die Sahne angießen, die Zitronenschale und etwas Salz hinzufügen und ca. 8 Minuten köcheln lassen. Kurz vor Ende der Kochzeit einen Esslöffel Pecorino untermischen.

Währendessen die Teigwaren nach Packungsanleitung zubereiten. Man rechnet etwa 150 g Teigwaren pro Person.

Die Teigwaren abschütten, abtropfen lassen. Mit der Sauce in tiefen Tellern anrichten, restlichen Bärlauch und etwas Pecorino aufstreuen, mit Blüten des Gänseblümchens garnieren.

Pasta Wildkräuter1

So lass‘ ich mir die Unkräuter schmecken…