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Lyon am Sonntag: Zu den Ursprüngen – Der Fourvière Hügel und die Römer

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Nachdem wir über den Markt am Saône Ufer geschlendert waren, wurde es Zeit für ein wenig Kultur.

Die Römer spielten in der Geschichte Lyons eine tragende Rolle – wenn sie auch nicht die ersten waren, die die Stadt oberhalb des Zusammenflusses von Rhône und Saône besiedelten, so prägten sie dennoch entscheidend die Geschichte der Stadt.

Also machten wir uns auf zum Fourvière Hügel, wo man im Musée Gallo-Romain neben dem frei zugänglichen römischen Theater auch die zahlreichen Überreste aus der Zeit der Römer besichtigen kann.
Das Museum lohnt einen Besuch – ich habe dementsprechend viele Fotos gemacht, von denen ich euch hier nur einen kleinen Teil zeigen kann.
Wir sind also über die Passerelle du Palais de Justice spaziert und mussten erst einmal eine Gelegenheit finden, die Straße zum Justizpalast zu überqueren, denn der Marathonlauf war noch in vollem Gange.


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Blick von der Passerelle du Palais de Justice Lyon über die Saône auf den Palais de Justice und die Basilika Notre Dame de Fourvière

Wir fanden dann doch eine Lücke zwischen Läufern, zahlreichen Fotografen und dem anfeuernden Publikum und schlängelten uns durch bis zur Cathédrale St. Jean, vorbei am Jardin Archéologique (Jardin Girard Desarques) an der Nordseite der Cathédrale, wo man auf Ausgrabungen, die aus verschiedenen Epochen stammen, trifft.
Unterwegs bieten sich schöne Ausblicke auf die Basilika Notre Dame de Fourvière, die wir bei unserem ersten Besuch vor 6 Jahren bereits von innen besichtigt hatten.
Das haben deshalb wir diesmal ausgelassen.


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Vor dem Eingang zur Cathédrale St. Jean trifft man auf einen belebten Platz.


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Dann sind wir in die Funiculaire – eine Bergseilbahn eingestiegen und bis zur Station Minimes gefahren.


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Man geht die Treppen hoch und gelangt von dort zum Park mit dem Römischen Amphitheater.


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Man kann dann – gute Kondition vorausgesetzt – die Stufen bis in die oberen Ränge des Amphitheaters erklimmen und das in den Hügel gebaute Gallo-Romanische Museum besuchen.
Oder man nimmt die etwas gemäßigter ansteigenden, flacheren Stufen links des Amphitheaters.
Und wer es noch bequemer haben möchte, fährt mit der Bergseilbahn bis zur Station Notre Dame de Fourvière, hält sich rechts und kann gemütlich bergab zum Museum gehen.


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Das Museum hat uns bei unserem ersten Lyon Trip damals schon von außen stark an das Teletubby-Haus erinnert…


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Lyon war in der Römerzeit eine bedeutende Verwaltungsstadt Galliens. Die ersten Christen fanden zwar in den Amphitheatern der Römer den Märtyrertod, doch nach den Invasionen barbarischer Völker verhalfen katholische Bischöfe der Stadt zu neuer Bedeutung und es siedelten sich zahlreiche religiöse Orden an.

600 v. Chr. gründeten die Kelten dort, wo heute La Croix-Rousse liegt, die Stadt Condate.
Dass die Kelten vor den Römern hier waren, fand man tatsächlich erst 1980 anhand von Funden heraus, die belegten, dass der Ort im 2. Jahrhundert auch als Kultstätte genutzt wurde.

43 v. Chr. – 1 Jh. n. Chr. gründete der Römer Munatius Plancus, ein Gefolgsmann Cäsars die Stadt Lugdunum, gallisch: Lyon

Zwar findet man auf dem Wappen Lyons einen Löwen – der Name hat aber damit rein gar nichts zu tun. Zur Herkunft des Namens gibt es mehrere Deutungen:
„Lug” (lat. lux, Licht) war der keltische Sonnengott, „dunum” bedeutet auf Lateinisch Festung.
Aus dem Keltischen übersetzt heißt Lugdunum jedoch „Hügel der Raben”. Einer Legende nach soll den Prinzen, die den Grundstein für die Stadt legten, ein Schwarm Raben erschienen sein.
Fourvière wiederum heißt altes Forum, abgeleitet von dem lateinishcen „forum vetus”.

Unter dem von Augustus beauftragten Agrippa hatte das Verwaltungszentrum Galliens um die 100.000 Einwohner und im 1. Jh. n. Chr. war es Hauptstadt der Trois Gaules (Lyonnaise, Aquitaine und Belgien). Auf den Hängen von La Croix-Rousse trafen sich im Amphitheater Trois Gaules einmal im Jahr die Repräsentanten der 60 gallischen Stämme.

177 n. Chr. wurden Lyons erster Bischof Pothinus und die Märtyrerin Blandine in Folge eines Volksaufstandes und der Verfolgung der ersten Christen hingerichtet.
Blandine und Pothinus sind heute Lyons Schutzpatrone.

Im 2. Jh. n. Chr. lag Lyon im Zentrum fünf großer römischer Kaiserstraßen und die Ufer von Saône und Rhône wurden besiedelt.

Die Herrscherzeit der Römer auf dem Hügel sollte bis ins 5. Jahrhundert andauern, bis einwandernde Barbaren die Aquädukte auf dem Fourvière Hügel demontierten und die Stadt nicht mehr mit Wasser aus dem Massif central versorgt wurde. Die Stadt verlagerte sich daraufhin immer mehr an die Flussufer.

461 besetzten die Burgunder die Stadt. Der Franke Chlodwig I. ließ sich christlich taufen, um eine Allianz zu erwirken.
534 eroberten die Franken Lyon und ihre Bischöfe gründeten die ersten Abteien….


Das Gallo-Römische Museum von Lyon


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Wenn man das Gallo-Römische Museum von Lyon betritt, wundert man sich etwas – man wird von modern gestaltetem, kahlen Beton empfangen – ein typischer Bau aus den 70er Jahren.
Es trägt das Label „Kulturelles Erbe des 20. Jh.“

Zu sehen sind zahlreiche Funde aus den ersten Jahrhunderten der Lyoner Stadtgeschichte und weitere aus der Region Rhônes Alpes sowie erst 1992 in Lyons 9. Arrondissement Vaise ausgegrabene Goldschmiedearbeiten.

Die Ausstellungsstücke sind allesamt sehr sehenswert….


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Anschließend sind wir noch etwas bergauf zur Basilika Notre Dame de Fourvière gegangen, um die Aussicht auf Lyon zu genießen.
An einer Buvette haben wir uns mit einem belegten, warmen Sandwich und Kaffee versorgt und uns davor an einen kleinen Tisch gesetzt um unsere Füße ein wenig auszuruhen und zu überlegen, wo wir als nächstes hingehen wollten.


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Und dann fuhren wir mit der Funiculaire wieder zum Saône Ufer.
Wir hatten uns entschlossen, einen Zeitsprung zu machen und mit der Tram zum jüngsten Museum Lyons, dem Musée des Confluences, am Zusammenfluss von Rhône und Saône zu fahren, wo gerade ein hypermodernes Stadtviertel entsteht.



Fortsetzung folgt…

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Les Traditions de la Cuisine Lyonnaise – Saucisson Brioché: Wurst im Briochemantel

Im Oktober 2010 waren wir in Lyon – der Hauptstadt, um nicht zu sagen Weltstadt der Gastronomie – wie es in dem kleinen Lyoneser Rezeptebüchlein, welches ich von dort mitgebracht habe,  so schön geschrieben steht: „…Lyon est la capitale mondiale de la gastronomie…“

Sie hat einige weltberühmte Köche hervorgebracht, z. B. den Meister von Lyon – Paul Bocuse, oder einen seiner bekannten Schüler und Koch des Jahrhunderts Eckart Witzigmann…. Auch einer der Gründe, warum ich unbedingt einmal nach Lyon wollte.

Obwohl Lyon nach Paris die zweitgrösste Stadt Frankreichs  ist, hat sie sich Ihre Schönheit und Gemütlichkeit bewahrt. Am Sonntagmorgen über die Märkte zu schlendern, war bei unserem Besuch das Schönste für mich.
Frisches Gemüse, Käse, Würste, Salami, Pasteten, Pilze, gebratene Bresse Hühnchen, lebende Tiere und sogar frische Austern, die an Ort und Stelle mit einem Gläschen Champagner verspeist wurden – nicht dass ich Austern mögen würde – aber das ist in meinen Augen typisch französisch, und einfach nur schön anzusehen…

Austern schlürfen am Saône Ufer

Auch die Auslagen der Geschäfte können sich sehen lassen:

Die Wurst im Briocheteig hatten wir am Sonntag gleich nach dem Markt als Mittagessen am Saône Ufer genossen  – und nun habe ich das Rezept endlich mal zu Hause ausprobiert:

Für 8 Personen braucht man:

300 g Mehl (Type 405)
2 Esslöffel Zucker
15 g Hefe
3 Eier
2 – 4 Esslöffel lauwarme Milch
150 g cremig weiche Butter
2 geräucherte, rohe Würste à ca. 200 g (ich habe „Olma Schüblig“ aus der Schweiz verwendet -1 St. à 280 g), die kommen der Wurst aus Lyon recht nahe)
2 Teelöffel Dijon Senf (hier habe ich den Moutarde à la Provencale verwendet)
Mehl zum Bearbeiten
1 Ei zum Bestreichen

Mehl, Zucker und Salz in einer Rührschüssel gründlich mischen. Hefe zerbröckeln und darauf krümeln. Eier und 2 Esslöffel lauwarme Milch dazugeben. Mit dem Knethaken in der Kückenmaschine ca. 3 Minuten bei kleiner Stufe durchkneten, bis sich die Zutaten zu einem festen Teig verbinden. Dann die Butter in Stückchen dazugeben und bei mittlerer Stufe in ca. 6 MInuten unterkneten, sodass ein elastischer Teig entsteht. Je nach Konsistenz nochmal etwas Milch oder Mehl dazugeben, sodass der Teig am Ende weich ist, sich aber mit der Hand gut und ohne zu reißen aus der Schüssel nehmen lässt. In eine bemehlte Schüssel legen und zugedeckt bei Zimmertemperatur 1 Stunde gehen lassen. Dann in den Kühlschrank stellen und weitere 2 Stunden gehen lassen.

Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, nochmals kurz von Hand durchkneten, in zwei Teile teilen und jeden auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck von ca. 15 x 20-25 cm Länge  (je nach Länge der Würste) ausrollen. Würste häuten und ringsum mit Senf bestreichen. Je 1 Wurst der Länge nach auf den Teig legen und einrollen. Die Rollen  unten an der Teignaht und an den Seiten zusammendrücken und mit der Naht nach unten auf ein mit Backpaier ausgelegtes Blech legen. Mit einem Geschirrtuch abdecken und bei Zimmertemperatur nochmals 45 – 60 Minuten gehen lassen.

Ich habe nur eine Wurst in Teig eingewickelt und aus der zweiten Hälfte vier Brioche Brötchen für’s Frühstück geformt (man kann den restlichen Teig auch über Nacht im Kühlschrank stehen lassen und die Brioches am nächsten Tag backen. Ebenfalls nochmal gehen lassen und bei 190 °C nur 15 – 20 Minuten backen.

Wie man sieht, fehlen mir noch Brioche Förmchen in meiner Küche…

Den Backofen auf 190 °C vorheizen. Das Ei leicht mit einer Gabel verquirlen und die Päckchen damit bestreichen. Im Ofen (Mitte, Umluft 175 °C) 30 – 35 Minuten backen, bis sie schön gebräunt und knusprig sind.

Aus dem Ofen nehmen, lauwarm abkühlen lassen, in Stücke schneiden und mit Senf und einem Salat servieren.

Ich habe dazu eine Creme aus Fromage Blanc, Essig, Öl, Schnittlauch, Schalotte, Salz, Pfeffer und Crème fraiche gemacht.
Die heißt in Lyon „Cervelle de Canuts“.