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Ein kulinarischer Kurzurlaub in der Lorraine- Teil 8: Nancy – Ein Garten und süße Souvenirs

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Au Duché de Lorraine – Confiserie Lefèvre-Lemoine

Nachdem wir unsere Füße im Park –  mit einem Picknick– erholt hatten, ging es weiter.
Von einem hinteren Eingang bzw. Ausgang des Parks gelangten wir zur Porte Ste. Catherine.


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Porte Ste. Catherine, Nancy

Ein kleines Stück weiter in Richtung Place Stanislas, den wir daraufhin wieder ansteuerten, haben wir noch den Garten Godron entdeckt.


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Der von Stanislaus, dem letzten Herzog von Lothringen, im Jahr 1758 gegründete erste botanische Garten der Stadt Nancy präsentiert heute die Sammlung blühender Zierpflanzen für Grünanlagen. Der Name geht auf Dominique-Alexandre Godron, einen berühmten Mediziner und Botaniker, zurück.
Bemerkenswerte Bäume: Ginko, Schwarznussbaum, Tulpenbaum, Zürgelbaum und Korsikakiefer.


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So ein schöner Garten, und das mitten in der Stadt. Überhaupt fanden wir, dass Nancy voller grüner Oasen ist – neben den stattlichen, historischen Bauwerken und dem imposanten Place Stanislas macht das eindeutig den besonderen Flair dieser Stadt aus.


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Wir sind dann nochmal am Platz Stanislas vorbei, haben uns noch eine Kirche angeschaut und sind dann zurück zum Bahnhof, wo wir in der nahegelegenen Confiserie Lefèvre-Lemoine noch letzte Souvenirs besorgt und eine Tasse Kaffee getrunken haben.


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Au Duché de Lorraine – Confiserie Lefèvre-Lemoine

47 rue Henri-Poincaré, Nancy

Das Süßwarengeschäft, seit 1810 eine Institution, ist zugleich ein wahres Museum. Alte Schränke und Anrichten, Tellerborde mit altem Geschirr aus der Fayencenmanufaktur von Lunéville bilden die schöne Ausstattung. Und natürlich ist auch für die Gaumenfreuden gesorgt. In den verführerischen Auslagen locken die berühmten Bergamotes de Nancy, Makronen, Pralinen und Süßes mit wohl klingenden Namen wie visitandines, chardons, griottes, gâteaux des ducs aux amandes oder à l’orange zum Kauf.


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Das war unser Besuch in Nancy – ein Teil unseres kulinarischen Kurzurlaubs in der Lorraine – Fortsetzung folgt…


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Ein kulinarischer Kurzurlaub in der Lorraine- Teil 7: Nancy – Le Saint-Èpvre, Rosen und Park de la Pépinière

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Le Saint-Èpvre, ein Törtchen aus Mandelbaiser, gerfüllt mit einer feinen Butter-Vanille-Crème

Wenn man in Nancy vom Place Stanislas dem Zeigefinger  der Stanislas Statue folgt, kommt man durch den Thriumphbogen zum Place de la Carrière.


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Der Arc de Triomphe in Nancy wurde dem Triumphbogen des Septimus Severus in Rom nachgebildet und verherrlicht König Ludwig XV. in seinen Dekorelementen: Flachreliefs, Inschriften usw. Das Akroterion mit der Renommee-Gruppe ist mit einem Medaillon des Herrschers geschmückt.


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Place de la Carrière mit Blick auf den „Palais de Gouvernement”

Dieser im 16. Jahrhundert angelegte Platzs ist der dritte Bestandteil eines architektonischen Ensembles aus dem 18. Jahrhundert.
Ursprünglich handelte es sich um einen Turnierplatz, daher sein Name „Carrière”.
Am Eingang des Platzes stehen sich zwei Stadtpaläste gegenüber: Das Hotel de Craon (heute Berufungsgericht) und Bourse de Commerce (früher Handelsbörse), heute Verwaltungsgericht. Am anderen Ende steht der Palais du Gouvernement, der von einem mit antiken Gottheiten geschmückten Halbrundplatz eingerahmt ist.
Dort lebte unter Stanislaus der Intendant als Repräsentant des französischen Königs.

Geht man beim Palais du Gouvernement links, kommt man zum Place Saint-Èpvre.


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Place Saint-Èpvre

Der ehemalige Markt- und Handelsplatz des Mittelalters ist mit einem Brunnen und einem Standbild Renés II., Herzog von Lothringen, geschmückt.
Dieser besiegte den Burgunder Herzog Karl den Kühnen im Jahr 1477 in der Schlacht bei Nancy. Die Basilika Saint Èpvre, die im 19. Jahrhundert von Prosper Morey erbaut wurde, hat große Kirchenfenster und Holzvertäfelungen vorzuweisen, die zum Teil in Bayern hergestellt wurden.
Leider konnte man die Basilika nicht besichtigen.


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Aber, auch rund um die Kirche gibt es lohnende Fotomotive…



Und dann haben wir in einer kleinen Pâtisserie eine weitere Spezialität von Nancy entdeckt:


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Pâtisserie Adam

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Le Saint-Èpvre est un gâteau très moelleux composé de deux disques de meringue aux amandes, garnis d’une crème au beurre à la vanille et à la nougatine pilée, le tout de fabrication maison. Rond et blond, saupoudré de sucre glace, il est présenté avec un ruban rouge ou bleu assorti d’une étiquette. Ses saveurs vanille et nougatine sont subtiles et s’équilibrent parfaitement en bouche. Il est composé entre autres de blancs d’oeufs, de sucre et d’amandes pour le macaron, et de beurre, de sucre et de blancs d’oeufs pour la base de la crème au beurre.

Des disques de meringue aux amandes sont dressés sur plaques, à l’aide d’une poche munie d’une douille ronde unie, en forme de colimaçon, puis cuits à four doux. Parallèlement, le pâtissier prépare une crème au beurre avec du sucre cuit, des blancs d’oeufs et du beurre. Il la parfume et en garnit l’intérieur des deux disques de meringue. Le gâteau est ensuite entreposé deux à trois jours, pour son „affinage“, dans une chambre froide (un réfrigérateur) qui lui est réservée, ce qui rend le macaron moelleux. On ne connait pas la température et le degré d’hydrométrie. Enfin, le pâtissier applique sur les côtés du Saint-Epvre une fine chapelure de macarons et le saupoudre légèrement de sucre glace.

L‘ Astuce du Chef : Il est conseillé de placer le gâteau à température ambiante une heure avant dégustation. Un champagne l’accompagnera parfaitement.


 

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Der Saint-Epvre ist ein lockerer, feuchter, gefüllter Kuchen aus zwei Mandel-Baiser Böden. Die Füllung besteht aus einer Vanille-Buttercreme, die mit fein zerbröseltem Mandelkrokant bestreut wird.
Zum Verkauf werden die runden, goldfarbenen Kuchen mit Puderzucker bestreut, und mit einem roten oder blauen Band und einem Etikett versehen.
Die feinen Krokant- und Vanillearomen sind perfekt abgestimmt, um den Gaumen zu verwöhnen.
Der Saint-Epvre besteht unter anderem aus Eiweiß, Zucker und Mandeln für den Mandelbaiser und Butter, Zucker und Eiweiß als Basis für die Buttercreme.

Die Mandelbaiser-Masse wird zunächst mit einem Spritzsack, ähnlich wie bei den Macarons da Nancy, in kleinen, runden Häufchen auf ein vorbereitetes Backblech gesetzt und
im Ofen bei niedriger Temperatur gebacken.
In der Zwischenzeit bereitet der Konditor eine Buttercreme aus geläutertem Zucker, Eiweiß und Butter zu, womit er die vorbereiteten, abgekühlten Mandelbaiser-Böden füllt.
Der Kuchen wird dann zwei bis drei Tage kühl gelagert. So entfalten die Saint-Epvre ihr Aroma und der Mandelbaiser wird schön weich und feucht.
Schließlich werden die offenen Seiten der Kuchen mit feinen Makronenbröseln bestreut und dann leicht mit Puderzucker bestäubt.

Empfehlung des Konditors: Den Kuchen eine Stunde vor dem Servieren aus dem Kühlschrank nehmen und bei Raumtemperatur lagern. Ein Glas Champagner ist der perfekte Begleiter.


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Naja – Champagner hatten wir keinen dazu – aber dafür den Ausblick auf einen schönen Rosengarten, wo wir die kleine Version dieses Kuchens „à la Française“ vernascht haben:
Wir haben es einfach wie die Franzosen gemacht, die auf den Bänken im Park ihre Mittagspause verbracht und gepicknickt haben.
Wir hatten uns in einer Boulangerie noch ein frisches Baguette gekauft, dazu gab es Käse, den Rest der Chaudin Lorrain und eine Paté Lorrain.


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Anschließend haben wir einen ausgedehnten Spaziergang durch den Rosengarten und Park de la Pépinière unternommen.


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Fortsetzung folgt…

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Ein kulinarischer Kurzurlaub in der Lorraine- Teil 6: Nancy – Macarons des sœurs Macarons

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In meinem letzten Beitrag hatte ich euch doch noch Macarons versprochen – zumindest in der Überschrift – und deshalb kommt jetzt die Fortsetzung.
Die Macarons de Nancy sind aber nicht das, was ihr euch vermutlich unter Macarons vorstellt!
Ihr denkt bestimmt an die feinen, gefüllten Köstlichkeiten aus Mandelbaiser mit cremiger Füllung – und wenn man in Paris ist, bekommt man das auch, wenn man nach Macarons verlangt.
In Nancy sagt man zu den uns bekannten Macarons auch „Macarons de Paris”.


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Macarons de Nancy


Zur Zeit der Renaissance vermählte sich Katharina de Medici mit dem französchen König Heinrich II.
Nach Frankreich wurde sie von ihren florentinischen Köchen begleitet, von denen die Dessertzubereitung damals maßgeblich beeinflusst wurde.

Die Tochter Katharinas, Claudia von Valois (Claude de France) wurde mit Herzog Karl III. von Lothringen verheiratet.
Ihre Tochter Katharina von Vaudémont gründete in Nancy das Kloster der „Dames de la Charité”, in dem die beiden Benediktinerinnen Marie-Élisabeth Morlot und Marguerite Gaillot Macarons nach ihrem Rezept zubereiteten.

Als die religiösen Orden im Zuge der Französischen Revolution durch eine Verordnung aufgehoben wurden (5. April 1792), fanden die beiden Klosterschwestern Zuflucht beim Arzt des Klosters in der Rue de la Hache.

Um für ihren Unterhalt aufzukommen, nahmen sie die Herstellung der Macarons wieder auf und verkauften diese. Schon bald waren sie sehr bekannt und erhielten den Beinamen „Les Sœurs Macarons” (Macarons-Schwestern).

Geehrt wurden sie 1952 durch die Stadt Nancy, die die frührere Rue de la Hache nach ihnen in „Rue des Sœurs Macarons” umbenannte.

Seit dieser Zeit gehören die Macarons der Klosterschwestern zum gastronomischen Erbe der Nancyer.
Das Originalrezept der „Véritables Macarons de Nancy” – der echten Macarons aus Nancy -, das seit über vierhundert Jahren geheim gehalten wird, wird oft nachgeahmt, aber nie erreicht;
derzeit wird es von Nicolas Génot bewahrt.


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Wie dem auch sei – selbstverständlich habe ich mir ein Rezept für die Macarons de Nancy besorgt….
Und als Souvenir haben wir auch welche mit nach Hause gebracht – nicht die von Nicolas Génot, aber aus der Patisserie Adam, die eine weitere Spezialität aus Nancy nach Originalrezept herstellt.
Aber davon später.


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Macarons des sœurs Macarons


POUR 4 PERSONNES
125 g de poudre d’amandes émondées
150 g de sucre
100 g de blancs d’œufs

Preparer un sirop au perlé avec 70 g de sucre et un peu d’eau.
Le mélanger délicatement à la poudre d’amandes et aux blancs d’œufs.
Ajouter le reste du sucre.
Mettre l’appareil dans une poche munie d’une douille lisse.
Sur un papier sulfurisé beurré, confectionner des petits tas assez espacés.
Cuire dans un four à 180 °C pendant environ 20 minutes.
Les sortir et les laisser refroidir sur le papier. Les macarons se décolleront facilement.


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Die Makronen der Macarons Schwestern /Makronen aus Nancy


Zutaten
Für 4 Personen:
• 125 g geschälte Mandeln, sehr fein gemahlen
• 150 g Zucker
• 100 g Eiweiß

Aus 70 g Zucker und wenig Wasser einen Sirup kochen.
Den Sirup vorsichtig mit den gemahlenen Mandeln und dem Eiweiß vermischen.
Den restlichen Zucker hinzufügen.
Die Masse in eine Spritztülle mit einfacher, runder Tülle füllen.
Ein Backblech mit gebuttertem Backpapier auslegen und die Masse in kleinen, runden Tupfen darauf setzten. Dabei darauf achten, dass dazwischen jeweils genügend Abstand ist.
Im Backofen bei 180 °C für etwa 20 Minuten backen.
Das Blech aus dem Ofen nehmen. Die Macarons auf dem Papier abkühlen lassen. Die Makronen lassen sich später leicht vom Papier lösen.


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A recipe of Nancy, France:
Macaroons
of the Macarons sisters

FOR 4 PEOPLE
125g blanched almonds, powdered
150sugar
100g egg whites

Prepare a syrup of 70 g of sugar and a little water.
Gently mix with ground almonds and egg whites.
Add remaining sugar.
Fill the mass in a piping bag with a plain tip.
On a buttered baking paper, make small piles leaving enough space in between.
Bake in the oven at 180 °C 0 356 °F for about 20 minutes.
Remove and let cool on the paper. The macaroons can be removed easily.

Learn more about it here: Nicolas Génot (Patissier at Nancy who holds the ancient recipe)

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Ein kulinarischer Kurzurlaub in der Lorraine- Teil 5: Ein Ausflug nach Nancy – von Stanislas, Bergamottes und Macarons

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Place Stanislas in Nancy

Von Lunéville aus hat man eine ausgezeichnete Zugverbindung nach Nancy.
Nancy ist nur knapp 40 Kilometer von Lunéville entfernt.
Und so hatten wir uns entschieden, das Auto stehen zu lassen und unseren Ausflug dorthin mit der französischen Eisenbahn, der SNCF zu unternehmen.
Eine angenehme Fahrt ohne Staus oder Parkplatzsuche und mit viel Landschaft, die es unterwegs zu sehen gab.

Als Foodie ist die Markgräflerin nicht nur wegen der Hauptsehenswürdigkeit, dem Place Stanislas dorthin gereist, sondern natürlich auch wegen der Spezialitäten, die es dort gibt – und das ist viel Süßes.


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Stanislas – dieses Gemälde von ihm hängt im Schloss von Lunéville

Stanislaus I. Leszczyński (eigentlich Stanisław Bogusław Leszczyński; * 20. Oktober 1677 in Lwów, I. Rzeczpospolita, heute Ukraine; † 23. Februar 1766 in Lunéville, Herzogtum Lothringen, heute Frankreich) war ein polnischer Aristokrat, Magnat, Beamter im Staatsdienst, Reichsgraf im Heiligen Römischen Reich und Staatsmann aus dem Adelsgeschlecht der Leszczyńskis.

Leszczyński wurde im Verlauf des Großen Nordischen Krieges 1704−1709 sowie erneut im Machtvakuum des Polnischen Thronfolgekrieges 1733−1736, als König von Polen und Großfürst von Litauen, gewähltes Staatsoberhaupt von Polen-Litauen und 1736 Titularherrscher von Polen-Litauen.

Seine Schwiegervaterschaft mit dem französischen Königshaus brachte ihm schließlich 1737 die Herzogtümer Lothringen und Bar ein, die nach seinem Tode an das Königreich Frankreich fielen.

Quelle: Wikipedia


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Comics über die Liebe für Süße Genüsse im Schloss von Lunéville

Stanislaus I. Leszczyński, der einst in Nancy residierte und nach dem der Place Stanislas benannt ist, war ein wahrer Genußmensch und Feinschmecker –  und er liebte Süßes.
Ihm zu Ehren wurden allerlei Köstlichkeiten kreiert – Baba au rhum und Madeleines sind wohl die bekanntesten.


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Wenn man sich seinen Lebenslauf einmal genauer ansieht, verwundert es einen nicht, dass er kulturell und kulinarisch hohe Ansprüche hatte – er ist als ehemaliger Polnischer König (ab 1709) für damalige Verhältnisse weit rumgekommen und das nicht etwa wegen seiner Freude am Reisen! Er musste nämlich aus politischen Gründen mehrmals ins Exil flüchten.

Nachdem der vom russischen Zaren Peter I. , König August II. von Polen und Friedrich IV. von Dänemark vereinbarte Krieg gegen das Königreich Schweden damit endete, dass die Schweden siegten, hatte König Karl XII. von Schweden ab sofort das Sagen. Stanislaus schloss sich ihm an.

Als Karl XII. und sein Heer in der Schlacht bei Poltawa im Juni 1709 von russischen Truppen besiegt wurde, suchte er mit seinen geschlagenen Truppen Zuflucht bei Sultan Ahmed III. im Osmanischen Reich während Stanislaus I. Leszczyński mit einem kleinen Teil der schwedischen Truppen über Stettin und Stralsund nach Kristianstad und Stockholm floh.

Stanislaus I. bat Karl XII. darum, als König von Polen abzudanken. Die Bitte wurde ihm aber verwehrt. Karl XII. hoffte auf die militärische Hilfe von Ahmed III., um Polen zurück zu bekommen.
Für Stanislaus, der wie viele seiner Unterstützer sein gesamtes Eigentum verloren hatte, war somit eine Rückkehr nach Polen ausgeschlossen.
Stanislaus I. folgte Karl XII. daraufhin nach Moldawien und erhielt 1714 von diesem als Übergangslösung, bis zur Rückgewinnung von Polen, Asyl im schwedisch regierten Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, wo er einen eigenen Hof unterhalten durfte, der jedoch die finanziellen Kräfte des Territoriums bald überspannte.

Nach dem Tod Karls XII., 1718, musste Stanislaus das Herzogtum verlassen und bat Herzog Leopold von Lothringen um Zuflucht.
Um sich vor den von August II. ausgehenden Anschlägen auf seine Person zu schützen, begab er sich mit seiner Familie in die Sicherheit der französischen Garnisonsstädte Landau in der Pfalz und Weißenburg (Wissembourg) im Elsass.

Seine Tochter Maria Leszczyńska wurde 1725 mit König Ludwig XV. verheiratet. Stanislaus zog mit seiner Gemahlin daraufhin nach Chambord in der Loire.

Nach dem Tod Augusts II. kehrte Stanislaus aus dem Exil in Frankreich nach Polen zurück und ließ sich am 11. September 1733 ein zweites Mal zum König und Großfürsten wählen.
Er wurde jedoch durch eine militärische Koalition aus Österreich, Russland und Kursachsen, sowie eines Teils des polnischen Adels, die die Wahl Augusts III. und dessen Krönung am 17. Januar 1734 unterstützten, gestürzt und entmachtet.

Stanislaus floh zuerst nach Danzig und fand Zuflucht in Königsberg beim preußischen König Friedrich Wilhelm I.

Ludwig XV, der Stanislaus militärisch unterstützt hatte, zog sich daraufhin zurück und verhandelte mit den Siegerparteien.
Die Herzogtümer Bar und Lothringen wurden gegen das Großherzogtum Toskana getauscht. Dies sollte nach dem Tod des letzten Großherzogs der Toskana, Gian Gastone de’ Medici, vollzogen werden.


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2 Jahre später  wurde Stanislaus in das Herzogtum Bar eingesetzt. Nach dem Tod von Gian Gastone de‘ Medici wurde auch Lothringen an Frankreich übertragen, worauf Stanislaus seine Residenz in die Schlösser von Commercy und Lunéville verlagerte. Zur Verwaltung der Herzogtümer wurde ein französischer Intendant de Justice, Police et Finances mit Sitz in Nancy eingesetzt, der die vereinbarte Angliederung nach dem Tod von Stanislaus vorbereitete. Als Pension erhielt Stanislaus jährlich 2 Millionen Livres.
In den folgenden Jahren entfaltete sich am Hof von Stanislaus in Lunéville ein bedeutendes kulturelles Leben.

Stanislaus Leszczyński starb unter tragischen Umständen. Am 5. Februar 1766 hatte sich seine Kleidung am Kamin entzündet und er erlitt schwere Verbrennungen. Nach mehrwöchigen Versuchen seine Qualen zu lindern, verstarb er am 23. Februar im Alter von 88 Jahren auf Schloss Lunéville. Stanislaus wurde 1766 in Nancy beigesetzt. Beide Herzogtümer wurden unmittelbar danach Frankreich angeschlossen. Die sterblichen Überreste des Königs überführte man 1814 nach Polen. Erst im Jahre 1938 wurde er schließlich offiziell in Krakau beigesetzt.

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Vom Bahnhof aus haben wir also zuerst den Place Stanislas angesteuert.
Der Place Stanislas ist vor allen Dingen für seine vergoldeten, schmiedeeisernen Gitter bekannt, und so zieren diese auch die Verpackung der bekanntesten Spezialität aus Nancy – die Bergamottes de Nancy.
Gibt man bei Wikipedia „Bergamottes” ein, stößt man zunächst auf die aus Süditalien stammende Zitrusfrucht.

Als Bergamotte (Citrus × limon, Syn.: Citrus bergamia) bezeichnet man eine Gruppe von Sorten aus der Gattung der Zitruspflanzen (Citrus), die als Hybride aus Süßer Limette (Citrus lametta) und Bitterorange (Citrus × aurantium) oder aus Zitronatzitrone (Citrus medica) und Bitterorange entstanden sein könnten. Beschrieben wurde die Pflanze erstmals in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Frucht wird nicht als Obst verwendet, sondern hauptsächlich wegen der enthaltenen ätherischen Öle angebaut, die in der Bergamotteschale enthalten sind. Das auch als „grünes Gold“ bezeichnete Bergamottöl spielt vor allem in der Parfümindustrie eine Rolle, wird aber auch zum Parfümieren von Tees verwendet.

Earl Grey Tee bekommt sein typisches Aroma durch das Bergamotteöl und es ist auch wesentlicher Bestandteil von „Kölnisch Wasser”.

Die bekanntesten Benutzer von „Eau de Cologne” waren damals Ludwig XV., Napoleon Bonaparte und Wolfgang Amadeus Mozart.
Voltaire nannte es ein Duftwasser, dass den Geist inspiriere und Johann Wolfgang von Goethe bewahrte in Schreibtischnähe mit Eau de Cologne-getränkte Taschentücher auf.
In Großbritannien wurde es Ende des 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zum dominierenden Herrenduft.
Das im Vergleich zu Parfüms preisgünstige Duftwässerchen aus Köln wurde von wohlhabenden Personen in großen Mengen benutzt, aber auch in kleineren Mengen von Personen der Mittelschicht. Ursprünglich verwendeten es fast nur Männer, erst ab 1830 wurde es in Großbritannien auch vermehrt von Frauen getragen. Eine Historikerin bezeichnet den Duft von Bergamottöl als den dominierenden Geruch des Viktorianischen Zeitalters.


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Wie die Bergamotte einst nach Nancy gelangte, ist ungewiss. In der Lorraine kannte man die Zitrusfrucht durch René II von Lothringen, der auch König von Sizilien war, einer Insel, deren Mittelmeerklima besonders förderlich für das Wachstum der Bergamotte Bäume ist.
Im Mittelalter brachten Pilger die Bergamotte Früchte auf Ihrem Weg von Italien nach Frankreich in die Basilika von Saint-Nicolas-de-Port in der Nähe von Nancy.



Sieur Joseph Gilliers, ehemaliger Koch und Destillateur von Stanislas Leszczynski im Schloss von Lunéville, berichtet 1751 in seinem Buch „Le cannaméliste français“ von einer Pastille, die mit Bergamotteöl gemacht ist « pour donner le goût » –  „um den Geschmack zu geben“, und von denen der Herzog der Lorraine sehr angetan war.

1845 eröffnete der aus Württemberg stammende Konditor Jean-Frédéric Godefroy Lillich in der rue du Pont-Mouja in Nancy eine Konditorei.
Ein befreundeter Parfümeur brachte ihn auf die Idee, das Bergamotteöl mit geläutertem Zucker zu kombinieren und so erfand Lillich 1850 diese süße Spezialität in Form von kleinen, quadratischen Täfelchen. 1873 wurde Jean-Frédéric Godefroy Lillich eingebürgert und änderte seinen Namen in Lillig.


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Bergamottes de Nancy


Zutaten
Zucker, Glukosesirup , natürliches ätherisches Öl der Bergamotte.

Herstellungsprozess
In einem Kupferkessel wird Zucker mit etwas Wasser erhitzt und bei etwa 150 °C gekocht, bis die Flüssigkeit eine sirupartige Konsistenz hat.
Dann fügt man ein paar Tropfen ätherisches Bergamotteöl aus Kalabrien hinzu.
Die Mischung wird auf eine Marmorplatte gegossen, dann lässt man sie etwas abkühlen und lässt die Masse durch eine Walze laufen, die daraus kleine Quadrate mit einem Gewicht von 5 Gramm stanzt. Die Bonbons werden dann einzeln in transparente Folie verpackt.


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Traditionell werden die Bonbons in Dosen verkauft, die mit dem Wahrzeichen von Nancy geschmückt sind – den von Jean Lamour geschaffenen Eisengittern des Place Stanislas.Blason_Nancy_54

Außerdem sind darauf die Disteln und Kreuz aus dem Wappen der Lorraine zu sehen.

Die Bergamottes de Nancy sind eine lokale Spezialität von Nancy und der Lorraine geblieben und sind ein beliebtes Mitbringsel von dort.
Außerdem werden heutzutage allerlei Süßspeisen mit Bergamotte aromatisiert – z. B. Crème Brulée, Cème Anglaise, Eiscreme oder Mirabellen, die in Bergamottesirup eingelegt werden.


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Wer sich ätherisches Bergamotteöl mit nach Hause nehmen möchte, fragt am besten in einer Apotheke nach (5 ml kosten um die 7 Euro).


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Neptun Brunnen

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Thriumphbogen
Sommer 2016 Urlaub 148 Nancy
Amphitrite Brunnen

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Und was wir hinter dem Thriumpfbogen, abseits des Place Stanislas noch alles entdeckt haben, folgt in einem weiteren Beitrag…


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