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Ziibelewaie und Neue Wii

Ziibelewaie 2


Gestern Abend gab es auf Wunsch des Markgräflers dann doch noch eine Ziibelewaie, denn wir hatten wieder Neue Wii im Haus.
Das Rezept ist diesmal etwas anders, als bisher – statt rundem Blech wurde ein großes, eckiges Blech gewünscht und ausserdem mit Brotteig als Basis.
Die Markgräflerin hat also jede Menge Zwiebeln geschält und geschnitten – mit einem Schluck Wasser im Mund war das auch weniger tränenreich….


Ziibelewaie 3


Für den Brotteig/Hefeteig
(für ein eckiges Backblech ca. 40 x 30 cm)
• 15 g Hefe
• 1 Teelöffel Zucker
• 300 g Bio-Weizenmehl (Type 550)
• ¾ Teelöffel Salz
• 3 Esslöffel Olivenöl
• 180 ml lauwarmes Wasser
• Mehl und Olivenöl zum Bearbeiten

Zubereitung Teig
Hefe in eine kleine Schale bröckeln, mit 1 Teelöffel Zucker und 50 ml lauwarmem Wasser verrühren. Zugedeckt ca. 15 Minuten gehen lassen.

Mehl und Salz in einer Rührschüssel mischen.
Die angerührte Hefe zusammen mit 130 ml lauwarmem Wasser und 3 Esslöffel Olivenöl  zum Mehl in die Schüssel geben.
Mit dem Knethaken der Küchenmaschine verkneten, bei Bedarf noch etwas Wasser oder Mehl dazugeben. Der Teig sollte nicht zu fest aber auch nicht zu feucht sein.
Dann nochmals etwas kräftiger kneten. Den Teig zugedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Stunde gehen lassen.
Auf Backpapier dünn ausrollen und auf das Blech legen. Mit einem Küchentuch zugedeckt nochmals gehen lassen.

Für den Belag
• 1 ½ kg Zwiebeln
• 100 g durchwachsener Speck
• 2 Becher saure Sahne
• 4 Eier
• 1 Prise Salz
• 1 Esslöffel Kümmel

Für den Belag die Zwiebeln schälen und in Scheiben schneiden (dafür nehme ich meine Küchenmaschine).
Den Speck in dünne Streifen schneiden, würfeln und in einer Pfanne ausbraten. Die Zwiebelringe zugeben und glasig werden lassen.
Die saure Sahne mit den Eiern, dem Salz und dem Kümmel verquirlen, Zwiebelscheiben und Speckwürfel darunter mischen und die Masse auf dem Teig verteilen.
Etwa 15 Minuten gehen lassen, den Backofen auf 200 °C Ober-Unterhitze (oder 180 °C Umluft mit Unterbodenhitze) vorheizen und dann in der Mitte des Backofens für ca. 45 Minuten backen.

Ziibelewaie 1
Leicht abkühlen lassen und warm servieren.


Ziibelewaie 4

This is a speciality of my area. It is typical for autumn, when the grape harvest is on.
Serve with new wine (Federweisser).

Big Onion Tart

For the dough
15 g yeast
1 teaspoon sugar
300 g wheat flour
¾teaspoon salt
3 tablespoons olive oil
180 ml warm water
flour and olive oil for working

Preparation of dough
(for a baking sheet 40 x 30 cm)
Crumble yeast into a small bowl, stir in 1 teaspoon sugar and 50 ml warm water. Cover and leaven for about 15 minutes.
Mix flour and salt in a mixing bowl.
Give mixed yeast with 130 ml of warm water and 3 tablespoons of olive oil to the flour in the bowl.
Knead the dough with the food processor (dough hook), if necessary add a little more water or flour. The dough should not be too dry and compact but not too moist. Then knead again a little stronger. Cover the dough and let it rise for about 1 hour in a warm place.
Roll out on baking paper, place on the baking sheet and cover with a cloth.

Ziibele 1

For the topping
1.5 kg onions
100 g streaky bacon
2 cups of sour cream (400 ml)
4 eggs
1 pinch of salt
1 tablespoon of cumin

For the topping cut the onions into slices (I use my food processor!).
A tip:
A sip of water in your mouth will help you not to burst out into tears while cutting the onions.

Cut the bacon into thin strips then into small cubes and fry in a pan. Add the onion rings and fry while turning frequently until they are glassy.

Whisk the sour cream together with the eggs, salt and cumin. Then fold in the onion slices and bacon. Spread onto the dough.
Leaven for another 15 minutes, preheat the oven to 200 °C (392 °F). Bake for about 45 minutes.
Take out of the oven, let cool a bit then serve.

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Auf der Suche nach dem Geheimnis der Ruhwaie

Ruhwaie10
Markgräfler Ruhwaie (Rahmwaie)

Zum meinem tausendsten Blogpost-Jubiläum hatte ich schon einmal über drei typische Waie aus dem Markgräflerland berichtet.

Dreierlei Waie1
Aber neulich hatte mich dann eine meiner treuen Blog-Leserinnen wiederholt auf die Ruhwaie angesprochen, die sie von ihrer Kindheit kennt und nach deren Rezept sie schon ewig sucht.

Ich dachte immer, es sei die Markgräfler Art, einen Flammkuchen zu backen und hatte es fast schon vergessen, bis ich etwa eine Woche später ganz zufällig auf der Speisekarte der Bruckmühle in Wollbach bei Kandern eine Ruuwaie entdeckte.

Ruuwaie Bruckmühle1

Wir waren das erste Mal dort und wollten einen Kaffee trinken und Kuchen essen – das war vergangenen Samstag.

Himmelstorte Bruckmühle – schon halb aufgegessen…

Natürlich habe ich gleich gefragt, wer denn die tollen Kuchen und die Waien bäckt  – und habe dann nach der Zubereitung der Ruhwaie gefragt.  Das „Ruh” – kommt vom Rahm – der Sahne, wobei es sich hier um Sauerrahm handelt. Das wusste ich schon aus anderen Gesprächen – und zwar muss es ein Sauerrahm mit 20% Fett sein, und den gibt es bei uns nur von „Schwarzwaldmilch”.

Grundlage ist ein Brotteig – denn am Freitag wird in der Bruckmühle immer Brot gebacken, und dann gibt es aus dem gleichen Teig auch noch Ziebelewaie, Käsewaie und Ruhwaie.
Obendrauf sind Speckwürfel oder Streifen und gewürzt wird nur mit Salz und Pfeffer, soviel wusste ich. Von der Bruckmühlen- Bäckerin habe ich dann noch die Details erfahren:  „Ich machhalt ä Bäbble mit Mählohni wird des nüt…

Stimmt eigentlich, dachte ich – sonst wird der Sauerrahm vielleicht nicht richtig fest und durchweicht womöglich noch den Teig.

Bäbble, das ist der Waieguss bzw. eine Mehlschwitze, die mit etwas Wasser gekocht wird, dann wird nach und nach der Sauerrahm untergerührt und zum Schluss würzt man den Guss mit Salz und Pfeffer.

Und dann ging die Waie-Bäckerin in die Küche um nachzusehen, ob vom Vortag noch was übrig war  – und kam mit einem Probierteller zurück:

Ruuwaie Bruckmühle
Ruhwaie in der Bruckmühle in Kandern-Wollbach

Die Ruhwaie in der Bruckmühle ist fast so dünn wie Flammkuchen – mir wurde aber von einer etwas höheren Waie erzählt… Also habe ich gebacken und das Ergebnis bzw. das gesuchte Rezept für eine Ruhwaie aufgeschrieben, um es nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen.

Baebble Waie1Mehlschwitze / Bäbble

1 Esslöffel Butter (ca. 50 g)

2 Esslöffel Mehl (ca. 50 g)
1-2 Tasse kaltes (!) Wasser

3 Becher Sauerrahm à 200 g = 600 g (20% Fett)

Foto: http://freiburg.schwarzwaldmilch.de

Butter in einem Topf zerlassen, das Mehl einrühren, dann das Wasser nach und nach mit dem Schneebesen einrühren, bis eine glatte Masse entsteht. Die Hitze reduzieren und  jeden Becher Sauerrahm einzeln damit verrühren. Mit Salz und schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen. Mit dem Salz vorsichtig sein, der Speck, der später noch auf die Waie kommt ist auch salzig….

Brot- oder Pizza-Teig mit Olivenöl, wie ich ihn mache:
(für drei Waien)

25 g frische Hefe
300 ml lauwarmes Wasser
50 ml Olivenöl
2 Esslöffel flüssiger Honig
1 Esslöffel grobes Meersalz
etwa 330 g helles Dinkelmehl (Type 630)
etwa 170 g feines Hartweizenmehl (Pasta- oder Pizzamehl)
+ Mehl zum Auswellen

Hefe in eine große Schüssel bröckeln, lauwarmes Wasser, Olivenöl und Honig hinzugeben und die Hefe darin auflösen. Salz und Mehl untermischen, einarbeiten und kräftig kneten. (Für mich übernimmt das der Knethaken der Küchenmaschine).
Kneten, bis sich der Teig vom Schüsselrand löst, bei Bedarf noch etwas Wasser oder Pastamehl unterarbeiten.

Zugedeckt ca. 45 – 60 Minuten gehen lassen. Teig von Hand kräftig durchkneten, in drei Portionen teilen.

Den Teig etwas größer als die Form ausrollen, eine Waieform mit Ø 30 cm mit Butter einfetten und mit dem Teig auslegen – einen Rand hochziehen.

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Leicht mit Öl (ich habe Olivenöl verwendet) bestreichen, dann das Bäbble / den Sauerrahmguss darauf verteilen.

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Von ca. 100 g Speck (mit Schwarte gewogen) die Schwarte dünn abschneiden, dann den Speck mit einem scharfen Messer in kleine Würfelchen oder feine Streifen schneiden und auf dem Guss verteilen.

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Ca. 30 Minuten bei 220 °C backen, bis der Teig hell gebräunt ist.

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Aus dem Ofen nehmen, etwas abkühlen lassen (ich hatte die Waie zu früh angeschnitten, wie man sieht zerläuft der Guss leicht) – die Waie lässt sich dann besser schneiden.

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Der Markgräfler fand, die Waie sei zu dick – wer sie dünner mag, so wie die von der Bruckmühle, nimmt nur ein bis zwei Becher Sauerrahm.

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Ich habe am nächsten Tag ein Stück für die Mittagspause mitgenommen und warm gemacht – da war der Guss fester und sah schöner aus. Ganz lecker auch mit einem grünen Salat…. Herrlich – nun fehlt nur noch ein Glas „Neue Wii” (Neuer Wein/Federweisser) und die Waie-Saison kann beginnen!!!

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