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Ein typisch schwedisches Lunch und das Sågudden – Frilufts Museum Arvika, Schweden

Häuserwand-Kunst in Arvika, Schweden

Endlich komme ich mal wieder dazu, weiter von unserem Urlaub in Schweden zu berichten.
Tag  5:
Nachdem wir uns in Klässbols die Leinenweberei angesehen und Souvenirs in Form von edler Tischwäsche eingekauft hatten, haben wir in Arvika angehalten, um etwas zu Mittag (lunch) zu essen.
Ihr habt richtig gelesen, hier heißt das Mittagessen wie im Englischen „lunch”.
Das gibt mir die Gelegenheit, ein wenig schwedisches Vokabular einfließen zu lassen:

frukostFrühstück
lunchMittagessen –
fikaKaffeepause (für die Schweden äußerst wichtig und zu jeder Tages- und Nachzeit üblich)
middag – Abendessen

Eigentlich wollten wir – da wir mit unseren Patenkindern und deren Eltern unterwegs waren – bei Mc Donald’s einkehren.
Was die Markgräflerin geht zu Mc Donald’s??? Ja – Ich wollte nämlich unbedingt den auf den digitalen Plakaten angepriesenen „Trüffel Burger mit Süßkartoffelpommes” probieren
Leider hatte keine unserer Kreditkarten funktioniert, und so sind wir hungrig weitergezogen. Das sollte nicht das einzige Mal sein, dass unsere Karten nicht als Zahlungsmittel vom Computer erkannt wurden. Auch wenn die Schweden mittlerweile überall mit Karten zahlen ist es unbedingt empfehlenswert, immer ein wenig Bargeld dabeizuhaben.
Und man sollte immer eine Kreditkarte mit PIN haben. Das ist beim Tanken an den Automaten sehr wichtig.

Also sind wir in den Ort gefahren und haben, wie es die Schweden machen, in einer Pizzera eingekehrt.
Um die Mittagszeit werden immer lunch-Menüs angeboten, die recht preisgünstig sind – fast in jedem Ort findet man eine Pizzeria oder ein Bistro, in dem man sich verpflegen kann.
Als Vorspeise gibt es Krautsalat vom Buffet, dann wählt man ein Gericht mit Getränk aus und zum Dessert gibt es den obligatorischen Kaffee und eine kleine Süßigkeit dazu, meist Kekse.
Und man bekommt auch fast überall glutenfreie Pizza!
Bestellt man Salat, kommt die Salatsoße in einem extra Schälchen und es gibt immer ein Pizzabrot dazu, das ist mit Käse gefüllt.
Wir hatten bei unserem ersten Pizzeria-Besuch in Schweden den Fehler gemacht, Salat und Pizza zu bestellen und haben nachher nicht alles geschafft. Die Pizza-Reste haben wir dann mitgenommen und es gab nochmal ein Abendessen daraus!
Die angebotenen Softdrinks aus der Dose gibt es überwiegend zuckerreduziert und man bekommt auch einfaches Sprudelwasser mit Zitronenextrakten – ohne Zucker.


Lunch im Hotel Bristol, Arvika


Typische lunch-Menü Vorspeise – raffiniert gewürzter Krautsalat

Salat als Hauptspeise (mit Mais, grünem Salat, Cocktailtomaten, Schinkenstreifen, Crevetten, Gurken)

Salat mit Thunfisch

Dazu das obligatorische Pizzabrot, mit Käse gefüllt, Salatsoße im Extraschälchen

…glutenfreie Pizza – Belag nach Wahl

Das Kindermenü – Chicken Nuggets mit Pommes und Salat

Burger mit Pommes


Nachdem wir uns gestärkt hatten, sind wir noch in der Touristinformation eingekehrt und sind dann durch den Stadtpark in Richtung See spaziert.



Die Gegend um Arvika (14.200 Einwohner) ist bekannt für die hier florierende Kleinindustrie. Rund um den See Racken findet man Kunsthandwerksbetriebe mit hochwertigem Angebot an Textilien, Glas, Möbeln oder Zinn. Größter und wichtigster Arbeitgeber in Arvika ist ein Baufahrzeugwerk von Volvo.



Wichtigste touristische Attraktion in Arvika ist das Rackstadmuseum, in dem Werke der nach dem nahe gelegenen See Racken benannten Rackstad-Künstlerkolonie ausgestellt werden.
Gründer und bekanntestes Mitglied der Künstlergruppe war der Bildhauer Christian Eriksson, neben ihm wurde auch Gustasf Fjæstad mit seinen Winterlandschaften sehr bekannt.
Zur Rackstasdtkolonie gehörten außerdem Erikssons Frau Maja , Björn und Elsa Ahlgrensson sowie Fritz Lindström.
Sie gehörten zu den „Nordischen Impressionisten” und schufen eine zwischen Jugendstil und Symbolismus angesiedelte, von den Stimmungen in der Natur inspirierte Kunst.
Das Museum muss ich mir unbedingt für einen nächsten Besuch in Schweden merken….

Außerdem gibt es ein Automobil-Museum mit den gesammelten Rennwagen des in Arvika beheimateten Rallye- und Rallycross-Fahrers Per Eklund sowie eine Rallycross-Rennstrecke, die sogenannte Westombanan.

Vielleicht kommt die Vorliebe der Schweden für Oldtimer dadurch – unterwegs trifft man oft auf am Straßenrand geparkte Oldtimer-Amischlitten, wie diesen Ford Galaxie.
Mehr Informationen über Arvika findet ihr hier: https://www.visitarvika.se/de


 


Im Park


 


Das Museum Sågudden



Das Museum Sågudden in Arvika besteht aus zwanzig alten Gebäuden, die repräsentativ für die wärmländische Bautradition sind. Die Ausstellung besteht aus einer grossen Sammlung von alten bemalten Bauernschränken aus dem 17. – 19. Jahrhundert, Haushaltsgegenständen, Werkzeugen und Fahrzeugen. Ausserdem bereichern Teile aus der Kulturgeschichte des Landes sowie Funde aus archäologischen Ausgrabungen und eine Ausstellung mittelalterlicher Kirchengegenstände diese Sammlung.
Das Gelände ist sehr schön angelegt und befindet sich direkt am Ufer des Rackensees. Am Eingang findet man einen Kräutergarten vor, es gibt einen Spielplatz, ein Tiergehege und ein Café.
Leider hatten wir nicht genügend Zeit, um uns alles anzusehen, aber wir haben zumindest das Museum angesehen, während unsere Patenkinder mit ihren Eltern auf dem Spielplatz waren.
Es war auch ziemlich heiß an diesem Tag – wir wollten so schnell wie möglich zurück zu unserem Feriendomizil, um uns noch im See abzukühlen – Badesachen hatten wir leider keine eingepackt.


Plan mit Beschreibung der Häuser am Eingang des Museums
Blick auf den Rackensee, Arvika
Der Kräutergarten
Museum/Großbauernhof 19. Jhd.

 

Bauernhof aus Tangen, 18. Jhd
Vorratshaus auf Pfählen, 18. Jhd


Das Museum



Prächtig bemalte Bauernmöbel im Museum


 

 

 


Wandbilder


 

 


Für das Sågudden Museum sollte man viel Zeit einplanen – es ist sehr sehenswert.



Die Gegend um Arvika ist bekannt für ihre Elche – hier gibt es auch wenige weiße Exemplare und so ziert ein weißer Elch auch die Broschüre des Värmlands.



Und auf unserem Rückweg haben wir tatsächlich einen Elch gesehen – nicht etwa in der Dämmerung, sondern am hellichten Tag!



Fortsetzung folgt….

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Klässbols Linnenväveri: Edle Tücher für den König


In der Nähe von Arvika, Schweden – etwa 30 km von unserem diesjährigen Urlaubsort entfernt – befindet sich die Leinenweberei Klässbols mit Fabrikverkauf.

Dort kann man wunderschön gewebte Stoffe aus Leinen in allen Farben und Mustern erwerben. Das Angebot reicht von der kompletten Tischwäsche, wie Decken, Servietten über Tischsets, bis zu Geschirrtüchern, Bettwäsche, Vorhängen, Kissen und Stoffen in zahlreichen Variationen.

Die Markgräflerin besitzt bereits von einem früheren Besuch mehrere Küchentücher und eine Mitteldecke und außerdem eine große Tischdecke mit passenden Servietten.
Da die große Tischdecke nur auf den ausgezogenen Tisch passt und daher nur benutzt wird, wenn wir Gäste haben, musste ich unbedingt noch etwas für den täglichen Gebrauch haben.
Also sind wir erneut nach Klässbol gefahren.


 


Natürlich blieb es nicht nur beim Einkauf der Tischdecke, sondern es gab auch noch eine weitere Mitteldecke, die euch hier im Blog in Zukunft noch einige Male als Unterlage für die Kaffeetafel begegnen wird!
Neben dem vielfältigen Angebot im Fabrikladen gibt es hinter den Verkaufsräumen ein kleines Museum.
Im Museum kann die Geschichte und Entstehung einer damals noch handgewebten Leinentischdecke nachempfunden und die verschiedenen Lochmusterkarten für die Webmuster in Augenschein genommen werden. Außerdem kann man noch nebenan in die Produktionshallen gehen und hier – mit Gehörschutz ausgestattet – sehen, wie aus vielen kleinen Leinenfäden eine neue Stoffbahn mit dem jeweiligen Muster entsteht.



Klässbols Leinenweberei wurde 1920 von Hjalmar Johansson gegründet, der in dem kleinen südschwedischen Dorf Klässbol auf die Welt gekommen ist.
Anfangs stellte die Weberei Leinenstoffe für die Leute aus der Umgebung her. Das Angebot wurde bald um Jacquardstoffe, Köper (Twill) und Damast erweitert.
Die schönen Musterkombinationen in Kette und Schuss waren und sind immer noch typisch für die Leinenstoffe von Klässbols.


Typisches Webmuster Klässbols
Lochkarten für die Webmuster

Heute gibt es diese shönen Einrichtungstextilien nicht nur im heimischen Umfeld, sondern auch weltweit in Museen, Botschaften, Restaurants, Hotels und im öffentlichen Bereich.
Klässbols Leinentücher schmücken auch die Tafel am schwedischen Königshof.
Die Weberei wird nun schon in der vierten Generation der Familie Johansson betrieben und ist seit dem Jahre 1970 sogar königlicher Hoflieferant für das schwedische Königshaus.
Zur Geburt der kleinen Estelle, der Tochter des Thronfolgerpaares, entwarf die Leinenweberei ein ganz spezielles Muster für das königliche Bett der kleinen schwedischen Prinzessin.
Darüber hinaus stellt Klässbols Linneväveri die Tischwäsche für verschiedene Empfänge her und produzierte sogar für die Suite Klassbol im Hotel The Dylan in Amsterdam (Niederlande) Bettwäsche sowie Polsterbezüge.


 

 


Der Webstuhl für die großen Tischtücher


Der Webstuhl wurde 1899-1900 für Nina von Engeström in Örebro gebaut.
Carl Wilund, Trangärdstorp, Karlstadt übernahm ihn dann und webte unter anderem die Tischdecken zur Hochzeit von Prinzessin Ingrid mit Kronprinz Frederik von Dänemark.
Nach 1940 war der Webstuhl nicht mehr in Betrieb. Ende 1960 kam er in Besitz der Familie Edvinsson in Kinnekulle, die ihn dann Anfang 1990 an die Klässbols Leinenweberei übergeben hat. Hier werden jetzt die Tafeltücher für König Carl Gustav XVI. gewebt. Es handelt sich hierbei um 7 Tischdecken à 8 Meter und 2 Tücher à 4 Meter. Alle Tücher sind 3 Meter breit, sie haben 40 Kettfäden pro cm, insgesamt sind das 11.788 Fäden.
An einem Tag kann etwa eine Länge von 10 cm gewebt werden.



Der Webstuhl für Servietten


Über das Herstellungsjahr liegen keine sicheren Unterlagen vor. Höchstwahrscheinlich wurde er um die Jahrhundertwende 1900 erbaut
Carl Wilund, Trangärdstorp, Karlstadt, war bis zu seinem Tode 1968 der Besitzer des Webstuhles. Danach wurde er von Anna Britta und Josef Edvinsson in der Damastweberei verwandt, bis er Anfang 1990 der Leinenweberei Klässbols als Geschenk überlassen wurde.

Derzeit werden Servietten für König Carl Gustaf XVI gewebt. 40 Kettfäden per cm ergeben insgesamt 3.396 Fäden. Mit 48 Einschlägen pro cm können ungefähr 30-40 cm am Tag gewebt werden.



Im 19. Jahrhundert waren die blauen Flachsblumen in den ländlichen Gebieten Schwedens ein alltäglicher Anblick. Viele Familien waren am gesamten Herstellungablauf beteiligt – vom Anbau über das Rösten und spinnen des Flachses bis hin zum Weben fertiger Weißwaren wie Laken, Tischtücher, Handtücher und Stoffe.



Es war ein bescheidener Anfang für Hjalmar Johansson, der den Dorftischler bat, ihm beim Bau eines Handwebstuhls für das Herstellen von Laken zu helfen, damit die Leute aus der Gegend mit ihrem handgesponnenen Flachsgarn zu ihm kommen und es weben lassen konnten.


 


Die von Klässblols gewebten Leinenstoffe sind Kunstwerke. Nichts wird dem Zufall überlassen. Die Weberei ist für alle dort Beschäftigten von großer Bedeutung.
In bestimmter Hinsicht ist die Zeit stehengeblieben und die alten Traditionen behalten ihre Bedeutung und leben weiter.
Alle alten Webstühle sind immer noch im Gebrauch. Das ist gar nicht so eigenartig, wie es einem vorkommt. Moderne Webstühle sind ganz einfach nicht in der Lage, die gleiche Att Qualitiätsstoff herzustellen, wie die alten.
Zu einem dieser Webstühle gibt es noch eine besondere Geschichte zu erzählen.

Nachdem wir die Leinenweberei besichtigt und unsere Souvenirs eingekauft hatten, sind wir vor dem Eingang mit einem älteren Herren ins Gespräch gekommen.
Er erzählte uns, dass ihn mit der Leinenweberei und der Familie Johansson eine ganz eigentümliche Begebenheit verbindet.
Vor vielen Jahren war er in seiner Eigenschaft als Dorfpolizist nachts zur Leinenweberei gerufen worden, weil sich dort anscheinend ein Einbrecher zu schaffen gemacht hatte.
Der Einbrecher hatte sich in angetrunkenem Zustand Zugang zur Produktionshalle verschafft und sich dann ausgerechnet den Webstuhl als Schlafplatz ausgesucht, auf dem täglich nur etwa 10 cm Stoff gefertigt werden können.
Der Besitzer hatte das Ganze damals wohl als positiv angesehen, dass, obwohl die Arbeit, die schon einige Zeit fortgeschritten war durch das Nickerchen des Einbrechers komplett zerstört war, die Tischdecke noch nicht kurz vor der Fertigstellung war, sondern nur etwa die Hälfte davon gewebt war.
Seit diesem Erlebnis schaut der ehemalige Dorfpolizist ab und zu mal bei der Leinenweberei vorbei, um Hallo zu sagen.
Die Belegschaft sei wie eine große Familie. Der Besitzer kümmert sich um die Anliegen seiner Angestellten von denen vielde dort schon in 5. oder 6. Generation arbeiten.
Die Leinenweberei gehört einfach zur Gegend und die Leute sind stolz darauf, dort zu arbeiten und so die alten Traditionen zu pflegen.



Klässblols stellt klassische Leinenstoffe her.
Einfache, naturnahe Muster, Form und Farbe in natürlicher Harmonie. Stoffe, die zeitlose Eleganz und raffinierte Schlichtheit ausstrahlen. Das ist eine der Traditionen von Klässbols.
Qualität erfordert Erfahrung, Sorgfalt und Können. Die Tradition von Klässbols beruht darauf, dass nur die besten Rohstoffe ausgewählt werden und somit ein Qualitätsprodukt garantiert werden kann. Klässbols hat sich seit jeher darum bemüht, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. Die gesamte Herstellungsmethode ist umweltfreundlich.


 


In der Produktionshalle


 


Präsentation und Verkauf


 

 

 


Sicherlich hat die hohe Qualität der Stoffe auch ihren Preis. Aber die Anschaffung lohnt sich.
Die Leinenstoffe sind robust, bei 60 °C waschbar und werden mit Gebrauch und den Jahren noch schöner, und mit ihren klassischen Mustern hat man lange Freude, ohne sich daran satt zu sehen.
Bei der Größenauswahl sollte man bedenken, dass das Gewebe beim ersten Waschen um ca. 7% schrumpft.