Wutachschlucht – eine Wanderung mit dem Wutach-Ranger

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In unserem Urlaub daheim haben wir auch einen dreitägigen Ausflug in den Schwarzwald unternommen.
Wir haben uns in Seebrugg am Schluchsee in der Jugendherberge eingemietet und sind an einem Montagvormittag, nach gemütlichem Frühstück durch das Wiesental und über den Feldberg dorthin gefahren.

Am Dienstag finden von Anfang Juli bis Ende September immer  Wanderungen durch die Wutachschlucht statt, die vom Wutach-Ranger Martin Schwenninger geführt werden.
Erst im Frühjahr hatte es dort einen gewaltigen Erdrutsch gegeben und der Wutach-Ranger war in unmittelbarer Nähe und hat das Naturereignis ehrfürchtig und mit zitternden Händen gefilmt.  Kurz darauf war er dann zum Interview bei der Sendung Kaffee oder Tee, um darüber zu berichten:
SWR-Video mit dem Wutach-Ranger Martin Schwenninger

Wir hatten uns vorab per E-Mail zur Wanderung angemeldet und haben uns am Dienstagmorgen kurz vor 10 Uhr auf dem Wanderparkplatz Boll bei Bonndorf eingefunden – ausgestattet mit Vesper, genügend Wasser zum trinken, Wanderstöcken und natürlich festem Schuhwerk.
Letzteres ist in der Wutachschlucht besonders wichtig, denn es geht über Stock und Stein und zuweilen gibt es recht rutschige Stellen.
Als es angefangen hat, leicht zu regnen, war ich auch froh, die Wanderstöcke mitgenommen zu haben.

Die Wanderstrecke:
Vom Wanderparkplatz Boll geht es hinunter zum ehemaligen Bad Boll (Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhundert war dort ein Kur- und Heilbad).
Heute erinnert nur noch die 1889 im gotischen Stil erbaute Kapelle an die historischen Werte dieser einzigartigen Kuranlage.
Ein Verein setzt sich für den Erhalt der vom Einsturz bedrohten und unter Denkmalschutz stehende Kapelle ein und sammelt dafür Spenden.



Das Bad Boll blickt auf eine bewegte und Jahrhunderte alte Geschichte zurück. Bereits die Adligen von Tannegg wussten um die Heilkraft der Quelle.
Den Höhepunkt erlebte das auch international anerkannte Bad Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jh. unter dem Besitz von Oberbürgermeister Karl Schuster aus Freiburg von ca. 1870-1894 und dem Fishing Club Ltd of London 1894-1913.
Zu prominenten Gästen zählten u.a. F.W. Nietzsche und Sir Winston Churchill.
OB Schuster ließ die Kapelle 1889 errichten. Im gleichen Jahr genehmigte das erzbischhöfliche Ordinariat von Freiburg die Segnung der Kapelle durch Pfarrer Fehrenbach von Gündelwangen, sodass dann auch heilige Messen zelebriert werden konnten. Seit 1991 befindet sich die Anlage Bad Boll, übrigens zum dritten Mal in ihrer Geschichte, in Landesbesitz.



Felsen in der Nähe der Kapelle – früher war hier eine Allee, die als „Engländer Allee” bekannt ist.
Unterhalb befinden sich die Überreste des „Felsenweihers”



Meterhoch und dicht wachsende Pestwurz, riesige Bäume, herabhängende Äste und bemooste Steine machen die Schlucht zum heimischen Urwald.
Hier beginnt der wohl interessanteste Abschnitt der Wutachschlucht.



Gemeine Pestwurz
Petasites hýbridus


Die Pestwurz gehört zu den Korbblütengewächsen. Die Blüten sind purpurn bis blaß rosa mit zahlreichen Körbchen in traubigem Gesamtblütenstand, 0,5-1 cm im Durchmesser.
Die Pflanze ist zur Blütezeit ohne Blätter, diese entwickeln sich später. Optisch erinnert die Pflanze an Rhabarber; Spreite rundlich-herzfömig, bis 60 cm lang
Vorkommen:
Ufer, Gräben, feuchte Waldstellen. Liebt basen- und stickstoffsalzreichen Boden. Fehlt im Tiefland und auf Sand gebietsweise, sonst ist sie häufig anzutreffen.
Der Name „Pestwurz” erinnert an die frühere Verwendung der Pflanze als Pestheilmittel. Sie enhält im Wurzelstock ätherische Öle, Bitterstoff und Gerbstoffe und in geringer Menge giftige Pyrrolizidinalkaloide. Keiner dieser Inhaltsstoffe kann jedoch Pesterreger abtöten oder Pestsymptome wirklich lindern!


Es gibt hier viele Stege, die den Weg über Wasserläufe erleichtern – im Hintergrund sieht man Pestwurz und rosa blühendes (nicht heimisches) Springkraut


Am Tannegger Wasserfall



Von einer Wand des Oberen Muschelkalks stürzt der Tannegger Wasserfall 15 Meter tief und bildet dabei bizarre Ablagerungen aus Kalktuff.



Vom Tannegger Wasserfall geht es den Ludwig-Neumannn-Weg hinauf in die Felsengalerie. Von dort hat man einen grandiosen Ausblick auf die darunterliegende Schlucht.



Am Rastplatz Schurhammerhütte machen wir eine Pause und stärken uns mit unserem mitgebrachten Vesper.
Zufällig konnte ich dort zwei wunderschöne Aufnahmen eines  Kaisermantel Schmetterlings machen


Kaisermantel auf Rotklee


Es geht weiter – seitlich mit recht tiefen Abgründen….



Die Wutachversickerung



Man meint, das Wasser fließe an der Wutachversickerung nicht bergab, sondern nach oben – das ist aber eine durch die Struktur der Felsen verursachte optische Täuschung.


Wutachachschlucht 38


Von der Wutachversickerung geht es über den Rümmelesteg zum Wutachaustritt, am Kanadiersteg vorbei bis hin zur Wutachmühle.
Der Nieselregen wurde hier stärker. Zum Glück waren wir schon recht nahe an unserem Ziel.



Der Weg am Felsen entlang ist schmal und man muss sich an einem Dratseil festhalten, und fast noch klettern, um mit kurzen Beinen, wie ich sie habe, über die teils großen Lücken im Felsenweg zu gelangen. Eine Mitwanderin hinter mir hatte sich mehrmals erbarmen müssen, um mir meine Wanderstöcke festzuhalten, während ich mich mehr oder weniger über die Felsvorsprünge hangelte.



Hier gab es einen gewaltigen Felssturz – und wir mussten die Seite wechseln – über eine Brücke, die aus riesigen Baumstämmen gebaut ist, die dafür eigens und gezielt über die Schlucht gefällt wurden.


Wutachachschlucht 43


Gegen 15 Uhr erreichten wir das Sägewerk bei der Wutachmühle. Von dort sind wir alle zusammen mit dem Bus zurück zum Parkplatz in Boll gefahren (kostenlos mit der Konus Gästekarte, die man von seinem Gastgeber ausgehändigt bekommt).

Der Markgräfler und ich sind dann noch wenige Kilometer weiter gefahren, um im Gasthaus Schattenmühle auf einen Kaffee einzukehren.
Dazu gab es Schwarzwälder Kirschtorte (für den Markgräfler) und ein „Motorrad mit Beiwagen” und Zwetschgenstrudel mit Vanillesauce und Kaffee (für die Markgräflerin).
Trotz des Regens zum Schluss hat uns die Wanderung sehr gut gefallen, vor allem auch wegen der vielen Erklärungen des Wutach-Rangers.
Hier geht es zum Bericht und den Fotos des Markgräflers.



Kaffee Varianten 😉



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