Ein kulinarischer Kurzurlaub in der Lorraine- Teil 5: Ein Ausflug nach Nancy – von Stanislas, Bergamottes und Macarons

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Place Stanislas in Nancy


Von Lunéville aus hat man eine ausgezeichnete Zugverbindung nach Nancy.
Nancy ist nur knapp 40 Kilometer von Lunéville entfernt.
Und so hatten wir uns entschieden, das Auto stehen zu lassen und unseren Ausflug dorthin mit der französischen Eisenbahn, der SNCF zu unternehmen.
Eine angenehme Fahrt ohne Staus oder Parkplatzsuche und mit viel Landschaft, die es unterwegs zu sehen gab.

Als Foodie ist die Markgräflerin nicht nur wegen der Hauptsehenswürdigkeit, dem Place Stanislas dorthin gereist, sondern natürlich auch wegen der Spezialitäten, die es dort gibt – und das ist viel Süßes.


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Stanislas – dieses Gemälde von ihm hängt im Schloss von Lunéville


Stanislaus I. Leszczyński (eigentlich Stanisław Bogusław Leszczyński; * 20. Oktober 1677 in Lwów, I. Rzeczpospolita, heute Ukraine; † 23. Februar 1766 in Lunéville, Herzogtum Lothringen, heute Frankreich) war ein polnischer Aristokrat, Magnat, Beamter im Staatsdienst, Reichsgraf im Heiligen Römischen Reich und Staatsmann aus dem Adelsgeschlecht der Leszczyńskis.

Leszczyński wurde im Verlauf des Großen Nordischen Krieges 1704−1709 sowie erneut im Machtvakuum des Polnischen Thronfolgekrieges 1733−1736, als König von Polen und Großfürst von Litauen, gewähltes Staatsoberhaupt von Polen-Litauen und 1736 Titularherrscher von Polen-Litauen.

Seine Schwiegervaterschaft mit dem französischen Königshaus brachte ihm schließlich 1737 die Herzogtümer Lothringen und Bar ein, die nach seinem Tode an das Königreich Frankreich fielen.

Quelle: Wikipedia


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Comics über die Liebe für Süße Genüsse im Schloss von Lunéville


Stanislaus I. Leszczyński, der einst in Nancy residierte und nach dem der Place Stanislas benannt ist, war ein wahrer Genußmensch und Feinschmecker –  und er liebte Süßes.
Ihm zu Ehren wurden allerlei Köstlichkeiten kreiert – Baba au rhum und Madeleines sind wohl die bekanntesten.


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Wenn man sich seinen Lebenslauf einmal genauer ansieht, verwundert es einen nicht, dass er kulturell und kulinarisch hohe Ansprüche hatte – er ist als ehemaliger Polnischer König (ab 1709) für damalige Verhältnisse weit rumgekommen und das nicht etwa wegen seiner Freude am Reisen! Er musste nämlich aus politischen Gründen mehrmals ins Exil flüchten.

Nachdem der vom russischen Zaren Peter I. , König August II. von Polen und Friedrich IV. von Dänemark vereinbarte Krieg gegen das Königreich Schweden damit endete, dass die Schweden siegten, hatte König Karl XII. von Schweden ab sofort das Sagen. Stanislaus schloss sich ihm an.

Als Karl XII. und sein Heer in der Schlacht bei Poltawa im Juni 1709 von russischen Truppen besiegt wurde, suchte er mit seinen geschlagenen Truppen Zuflucht bei Sultan Ahmed III. im Osmanischen Reich während Stanislaus I. Leszczyński mit einem kleinen Teil der schwedischen Truppen über Stettin und Stralsund nach Kristianstad und Stockholm floh.

Stanislaus I. bat Karl XII. darum, als König von Polen abzudanken. Die Bitte wurde ihm aber verwehrt. Karl XII. hoffte auf die militärische Hilfe von Ahmed III., um Polen zurück zu bekommen.
Für Stanislaus, der wie viele seiner Unterstützer sein gesamtes Eigentum verloren hatte, war somit eine Rückkehr nach Polen ausgeschlossen.
Stanislaus I. folgte Karl XII. daraufhin nach Moldawien und erhielt 1714 von diesem als Übergangslösung, bis zur Rückgewinnung von Polen, Asyl im schwedisch regierten Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, wo er einen eigenen Hof unterhalten durfte, der jedoch die finanziellen Kräfte des Territoriums bald überspannte.

Nach dem Tod Karls XII., 1718, musste Stanislaus das Herzogtum verlassen und bat Herzog Leopold von Lothringen um Zuflucht.
Um sich vor den von August II. ausgehenden Anschlägen auf seine Person zu schützen, begab er sich mit seiner Familie in die Sicherheit der französischen Garnisonsstädte Landau in der Pfalz und Weißenburg (Wissembourg) im Elsass.

Seine Tochter Maria Leszczyńska wurde 1725 mit König Ludwig XV. verheiratet. Stanislaus zog mit seiner Gemahlin daraufhin nach Chambord in der Loire.

Nach dem Tod Augusts II. kehrte Stanislaus aus dem Exil in Frankreich nach Polen zurück und ließ sich am 11. September 1733 ein zweites Mal zum König und Großfürsten wählen.
Er wurde jedoch durch eine militärische Koalition aus Österreich, Russland und Kursachsen, sowie eines Teils des polnischen Adels, die die Wahl Augusts III. und dessen Krönung am 17. Januar 1734 unterstützten, gestürzt und entmachtet.

Stanislaus floh zuerst nach Danzig und fand Zuflucht in Königsberg beim preußischen König Friedrich Wilhelm I.

Ludwig XV, der Stanislaus militärisch unterstützt hatte, zog sich daraufhin zurück und verhandelte mit den Siegerparteien.
Die Herzogtümer Bar und Lothringen wurden gegen das Großherzogtum Toskana getauscht. Dies sollte nach dem Tod des letzten Großherzogs der Toskana, Gian Gastone de’ Medici, vollzogen werden.


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2 Jahre später  wurde Stanislaus in das Herzogtum Bar eingesetzt. Nach dem Tod von Gian Gastone de‘ Medici wurde auch Lothringen an Frankreich übertragen, worauf Stanislaus seine Residenz in die Schlösser von Commercy und Lunéville verlagerte. Zur Verwaltung der Herzogtümer wurde ein französischer Intendant de Justice, Police et Finances mit Sitz in Nancy eingesetzt, der die vereinbarte Angliederung nach dem Tod von Stanislaus vorbereitete. Als Pension erhielt Stanislaus jährlich 2 Millionen Livres.
In den folgenden Jahren entfaltete sich am Hof von Stanislaus in Lunéville ein bedeutendes kulturelles Leben.

Stanislaus Leszczyński starb unter tragischen Umständen. Am 5. Februar 1766 hatte sich seine Kleidung am Kamin entzündet und er erlitt schwere Verbrennungen. Nach mehrwöchigen Versuchen seine Qualen zu lindern, verstarb er am 23. Februar im Alter von 88 Jahren auf Schloss Lunéville. Stanislaus wurde 1766 in Nancy beigesetzt. Beide Herzogtümer wurden unmittelbar danach Frankreich angeschlossen. Die sterblichen Überreste des Königs überführte man 1814 nach Polen. Erst im Jahre 1938 wurde er schließlich offiziell in Krakau beigesetzt.

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Vom Bahnhof aus haben wir also zuerst den Place Stanislas angesteuert.
Der Place Stanislas ist vor allen Dingen für seine vergoldeten, schmiedeeisernen Gitter bekannt, und so zieren diese auch die Verpackung der bekanntesten Spezialität aus Nancy – die Bergamottes de Nancy.
Gibt man bei Wikipedia „Bergamottes” ein, stößt man zunächst auf die aus Süditalien stammende Zitrusfrucht.

Als Bergamotte (Citrus × limon, Syn.: Citrus bergamia) bezeichnet man eine Gruppe von Sorten aus der Gattung der Zitruspflanzen (Citrus), die als Hybride aus Süßer Limette (Citrus lametta) und Bitterorange (Citrus × aurantium) oder aus Zitronatzitrone (Citrus medica) und Bitterorange entstanden sein könnten. Beschrieben wurde die Pflanze erstmals in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Die Frucht wird nicht als Obst verwendet, sondern hauptsächlich wegen der enthaltenen ätherischen Öle angebaut, die in der Bergamotteschale enthalten sind. Das auch als „grünes Gold“ bezeichnete Bergamottöl spielt vor allem in der Parfümindustrie eine Rolle, wird aber auch zum Parfümieren von Tees verwendet.

Earl Grey Tee bekommt sein typisches Aroma durch das Bergamotteöl und es ist auch wesentlicher Bestandteil von „Kölnisch Wasser”.

Die bekanntesten Benutzer von „Eau de Cologne” waren damals Ludwig XV., Napoleon Bonaparte und Wolfgang Amadeus Mozart.
Voltaire nannte es ein Duftwasser, dass den Geist inspiriere und Johann Wolfgang von Goethe bewahrte in Schreibtischnähe mit Eau de Cologne-getränkte Taschentücher auf.
In Großbritannien wurde es Ende des 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zum dominierenden Herrenduft.
Das im Vergleich zu Parfüms preisgünstige Duftwässerchen aus Köln wurde von wohlhabenden Personen in großen Mengen benutzt, aber auch in kleineren Mengen von Personen der Mittelschicht. Ursprünglich verwendeten es fast nur Männer, erst ab 1830 wurde es in Großbritannien auch vermehrt von Frauen getragen. Eine Historikerin bezeichnet den Duft von Bergamottöl als den dominierenden Geruch des Viktorianischen Zeitalters.


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Wie die Bergamotte einst nach Nancy gelangte, ist ungewiss. In der Lorraine kannte man die Zitrusfrucht durch René II von Lothringen, der auch König von Sizilien war, einer Insel, deren Mittelmeerklima besonders förderlich für das Wachstum der Bergamotte Bäume ist.
Im Mittelalter brachten Pilger die Bergamotte Früchte auf Ihrem Weg von Italien nach Frankreich in die Basilika von Saint-Nicolas-de-Port in der Nähe von Nancy.



Sieur Joseph Gilliers, ehemaliger Koch und Destillateur von Stanislas Leszczynski im Schloss von Lunéville, berichtet 1751 in seinem Buch „Le cannaméliste français“ von einer Pastille, die mit Bergamotteöl gemacht ist « pour donner le goût » –  „um den Geschmack zu geben“, und von denen der Herzog der Lorraine sehr angetan war.

1845 eröffnete der aus Württemberg stammende Konditor Jean-Frédéric Godefroy Lillich in der rue du Pont-Mouja in Nancy eine Konditorei.
Ein befreundeter Parfümeur brachte ihn auf die Idee, das Bergamotteöl mit geläutertem Zucker zu kombinieren und so erfand Lillich 1850 diese süße Spezialität in Form von kleinen, quadratischen Täfelchen. 1873 wurde Jean-Frédéric Godefroy Lillich eingebürgert und änderte seinen Namen in Lillig.


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Bergamottes de Nancy


Zutaten
Zucker, Glukosesirup , natürliches ätherisches Öl der Bergamotte.

Herstellungsprozess
In einem Kupferkessel wird Zucker mit etwas Wasser erhitzt und bei etwa 150 °C gekocht, bis die Flüssigkeit eine sirupartige Konsistenz hat.
Dann fügt man ein paar Tropfen ätherisches Bergamotteöl aus Kalabrien hinzu.
Die Mischung wird auf eine Marmorplatte gegossen, dann lässt man sie etwas abkühlen und lässt die Masse durch eine Walze laufen, die daraus kleine Quadrate mit einem Gewicht von 5 Gramm stanzt. Die Bonbons werden dann einzeln in transparente Folie verpackt.


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Traditionell werden die Bonbons in Dosen verkauft, die mit dem Wahrzeichen von Nancy geschmückt sind – den von Jean Lamour geschaffenen Eisengittern des Place Stanislas.Blason_Nancy_54

Außerdem sind darauf die Disteln und Kreuz aus dem Wappen der Lorraine zu sehen.

Die Bergamottes de Nancy sind eine lokale Spezialität von Nancy und der Lorraine geblieben und sind ein beliebtes Mitbringsel von dort.
Außerdem werden heutzutage allerlei Süßspeisen mit Bergamotte aromatisiert – z. B. Crème Brulée, Cème Anglaise, Eiscreme oder Mirabellen, die in Bergamottesirup eingelegt werden.


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Wer sich ätherisches Bergamotteöl mit nach Hause nehmen möchte, fragt am besten in einer Apotheke nach (5 ml kosten um die 7 Euro).


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Neptun Brunnen

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Thriumphbogen

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Amphitrite Brunnen

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Und was wir hinter dem Thriumpfbogen, abseits des Place Stanislas noch alles entdeckt haben, folgt in einem weiteren Beitrag…


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