Adventskalender 2013: Nr. 14 – Dresdner Christstollen

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Dresdner Christstollen2
Christstollen – da muss es schon das Original aus Dresden sein. Vergangenes Jahr hatte ich schon bei einer Kollegin, die von dort kommt, einen Stollen bestellt. Und weil der so gut war, dieses Jahr wieder. Dabei stehe ich nicht auf Schnick-Schnack mit Marzipanfüllung, Schokolade oder so – der konservative Stollen mit Rosinen muss es sein. Ganz viel Butter kommt in einen Stollen, außerdem feinste Gewürze und kandierte Früchte.
Das war nicht immer so…

Christstollen Stueck2

Der Christollen hat eine lange Tradition. Bereits im Jahre 1329 wurde er urkundlich erwähnt, als Weihnachtszugabe für den Bischof Heinrich von Naumburg. Der „Dresdner Christstollen” wurde erst 1471 auf der Rechnung des christlichen Bartholomäus-Hospitals an den Dresdner Hof als Fastengebäck erwähnt.
Am 11. November begann nämlich traditionell die vorweihnachtliche, 42 Tage dauernde Fastenzeit, in der auf Eier und tierische Fette wie Butter und Milch verzichtet wurde. Seinerzeit bestand das Gebäck lediglich aus Hafer, Wasser und Rüböl. Der Geschmack des Dresdner Christstollens hatte deshalb damals wenig mit dem heute bekannten zu tun.

In der Mittelhochdeutschen Sprache wurde er zunächst als „Struzel” oder „Striezel” bezeichnet, ein Hefegebäck in länglicher, teils auch geflochtener Form.
In einigen sächsischen Städten wurde dieses „Christbrot” wegen seines wulstartigen Körpers auch „Stollen” genannt. Vermutlich sollte es an das in Windeln gewickelte Christkind erinnern.

Im Jahre 1491 wandten sich Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Albrecht an Papst Innozenz VIII. mit der Bitte, das Butterverbot aufzuheben. Der Heilige Vater verfasste daraufhin den sogenannten „Butterbrief”, der den Gebrauch von Butter anstelle von pflanzlichem Öl erlaubte.
Selbstverständlich war die Genehmigung nicht ohne Bedingung – der sächsische Hof musste eine Buße zahlen. Der Butterbrief galt damals nur für das Herrscherhaus und seine Lieferanten, wurde aber bald sehr grosszügig ausgelegt.
Der Hofbäcker Heinrich Drasdo von Torgau soll dann den Advents Fastenstollen mit weiteren, reichhaltigen Zutaten wie Rosinen, Mandeln und kandierten Früchten verfeinert haben.
Um 1500 wurden in Dresden bereits Christbrote auf dem Striezelmarkt verkauft. Mit der Zeit wurden die Zutaten immer mehr verfeinert und das Rezept wurde von Generation zu Generation überliefert. Seit 1617 ist der Stollen fester Bestandteil des Christfestes.

(Quelle: weitgehend aus dem Katalog zur Sonderausstellung „Weihnachtsgebäck aus aller Welt” im Spielzeug Welten Museum in Basel übernommen)

Christstollen Stueck1

Dresdner Christstollen

1 kg Mehl
450 g Butter
1/2 Liter Milch
200 g Zucker
120 g frische Hefe
10 g Salz
1 Teelöffel Ingwerpulver
1 Teelöffel Zimt
1 Teelöffel Kardamom
1 Teelöffel Muskatblüte
1 Prise gemahlene Nelken
1 abgeriebene Zitronenschale (unbehandelt)
1 Esslöffel Mandelaroma
1 Teelöffel geriebener Ingwer
30 g Ingwer
500 g Rosinen
150 g Korinthen
150 g Mandeln
150 g kandierte Zitrone
150 g kandierte Orange
100 g Butter
60 g Hagelzucker
70 g Puderzucker
4 Päckchen Vanillezucker

Vorteig:
Das Mehl in eine Schüssel sieben und in der Mitte eine Mulde drücken. Die Hefe hineinbröckeln. Ein wenig erwärmte Milch und einen Teelöffel Zucker dazu geben und zu einem flüssigen Brei verrühren.  Den Vorteig an einem warmen Ort 45 Minuten gehen lassen.

Hauptteig:
Rosinen und Korinthen mit kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten quellen lassen. Abschütten und mit Küchenkrepp sorgfältig trocken reiben.
Kandierte Zitronen und Orangen hacken. Butter und Milch lauwarm erwärmen. Den Vorteig mit Butter, Milch, Zucker und den Gewürzen verrühren und so lange kräftig schlagen, bis er sich vom Schüsselrand löst. Rosinen, Mandeln und die kandierten Früchte hinzufügen. Nochmals gut durchkneten und 1 Stunde gehen lassen.

Formen/Trocknen:
Backblech mit Butter einfetten, den Teig als Stollen formen. (Wer eine Stollen-Form=Stollenbackhaube hat, buttert diese und bestäubt sie mit Mehl. Dann den Teig hineingeben und die Form mit der Öffnung auf das Blech setzen.)

Backen:
Bei 180 °C im vorgeheizten Ofen ca. 60 Minuten backen. 10-15 Minuten vor Ende der Backzeit kann die Stollenbackhaube abgenommen werden. Nach dem Backen den Stollen mit flüssiger Butter bepinseln, dann mit Hagel-, Vanille- und Puderzucker bepudern.

Christstollen 1

Christmas Stollen – for me it has to be the original from Dresden. Last year I had ordered one at a colleague, who comes from the Dresden area. And because it was so good I ordered again this year. I ‚m not into bells and whistles with marzipan filling, chocolate or anything – it must be the conservative and traditional Stollen with raisins. There’s pretty much butter in a Stollen, furthermore the finest spices and candied fruit.
This was not always the case…

The Christollen has a long tradition. It was first mentioned in 1329, as a Christmas bonus for the Bishop Heinrich von Naumburg. The “ Dresdner Stollen “ was first mentioned in 1471 on the bill of the Christian Bartholomew’s Hospital to the Dresden court as lenten pastry.
On Nov. 11th the traditional pre-Christmas lent began, lasting 42 days. During that time eggs and animal fats such as butter and milk were omitted. At this time the famous  Stollen only consisted of oats, water and turnip oil. The taste of the Dresdner Stollen at that time therefore had little to do with today’s well-known fine taste of the Stollen.

In the Middle High German language, it was initially referred to as “ Struzel “ or “ Striezel „, a yeast cake in oblong or partly braided form.
In some Saxon cities this „Christ Bread “ was also called “ tunnel “ because of its bulbous body. Presumably, it should have reminded of the swaddled Christ Child.

In 1491 the Elector Ernst of Saxony and his brother addressed to Pope Innocent VIII with a request to lift the ban on butter. The Holy Father then wrote the so-called
„Butter Letter“, which permitted the use of butter instead of vegetable oil .

It goes without saying that this permission was not without condition – the Saxon court had to pay a fine. The „butter letter“ was only for the ruling house and its suppliers at that time, but was soon treated very generous .
The court baker Heinrich Drasdo of Torgau is said to have then refined the Advent Lenten Stollen with further and richer ingredients such as raisins, almonds and candied fruit.
In 1500, these Christian loaves were already sold on the Striezelmarkt in Dresden. Since then, the ingredients have become more and more refined and the recipe has been passed from generation to generation. Since 1617 the Stollen has been an integral part of Christmas.

(Source: largely taken from the catalog for the exhibition “ Christmas cookies from all around the world “ in the Toy Worlds Museum in Basel)

Dresdner Stollen

1 kg flour
450 g of butter
1/2 liter of milk
200 g of sugar
120 g of fresh yeast
10 g salt
1 teaspoon of ginger powder
1 teaspoon of cinnamon
1 teaspoon cardamom
1 teaspoon mace
1 pinch of ground cloves
1 lemon zest (untreated)
1 tablespoon almond
1 teaspoon grated ginger
30 g ginger
500 g raisins
150 g currants
150 grams of almonds
150 g candied lemon
150 g candied orange
100 g of butter
60 g of granulated sugar
70 g of powdered sugar
4 tsp vanilla

Sponge:
Sieve the flour into a bowl and make mold in the middle. Crumble the yeast. Add a little warmed milk and a teaspoon of sugar and stir to receive a liquid slurry. Let the dough rise for 45 minutes in a warm place.

Main dough:
Pour boiling water over the raisins and currants allow to swell for 15 minutes. Drain and carefully rub dry with kitchen paper .
Chop the candied lemons and oranges. Heat butter and milk until lukewarm. Mix the sponge with butter, milk, sugar and spices and beat vigorously until it releases from the edge of the bowl. Add raisins, almonds and candied fruit. Knead well again and let rise for 1 hour.

Shaping / drying:
Grease a baking sheet with butter , shape the dough as Stollen / loaf . ( Those who have a Stollen mould = Stollen baking hood, butter and dust it with flour, then put the dough in it and place the mould with the open side on the sheet .

Baking:
At 180 ° C (356 °F) in a preheated oven for about 60 minutes. 10-15 minutes before end of baking time the Stollenbakchaube can be removed. After baking, the tunnels Brush with melted butter , then dusting with hail , vanilla and powdered sugar.

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6 Antworten to “Adventskalender 2013: Nr. 14 – Dresdner Christstollen”

  1. traeumerleswelt Says:

    Backe jedes Jahr echt Dresdner Christstollen für die ganze Familie, das Rezept stammt von meiner Dresdner Oma. Das ist schon Tradition bei uns🙂 Verschenkt wird er zum 1. Advent, zu diesem Zeitpunkt liegt er schon 6 Wochen.
    Meine Oma hatte den letzten immer zu Ostern angeschnitten, das war dann was ganz besonderes

    • Karin Schindler Says:

      Das ist schön! Ein Traditionsgebäck, wie in unserer Gegend die Linzertorte… Das Rezept verrätst Du bestimmt keinem ? 😉

      • traeumerleswelt Says:

        das wäre meiner Oma sicher nicht recht, wenn ich das Familienrezept verraten würde🙂
        Das Rezept der Linzertorte habe ich von meiner Weiler Oma🙂. Inzwischen bäckt die meine jüngste Tochter und ich bekomme eine davon….

      • Karin Schindler Says:

        Hab‘ ich mir schon gedacht😦
        Na, Du wirst aber, was weihnachtliche Genüsse angeht, ganz schön verwöhnt…😉

      • traeumerleswelt Says:

        das stimmt, dazu kommen noch viele selbstgemachte Weihnachtsbrötchen…gut für die Figur😉

  2. Alexander Anlicker Says:

    In meiner Kindheit kam jedes Jahr ein Päckchen mit Dresdner Christstollen und Räuchermännchen aus dem Erzgebirge bei meinen Großeltern von den Verwandten aus der „Ostzone“ – so sagte man damals zur DDR – an. Im Gegenzug hat Oma ein Weihnachtspäckchen gepackt mit Kaffee, Nylonstrümpfen und was dort sonst noch Mangelware war und dann nach Rübenau geschickt. War igendwie immer ein besonderer Tag, wenn das Päckchen kam …

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